Typhoon – Offerings

In Reviews von Eric

Wenn sich C.G. Jung, David Lynch und Thom Yorke auf ein Album einigen müssten, „Offerings“ der Portlander Formation Typhoon wäre sicher in der engeren Wahl. Es dreht sich um einen Mann, der sein Gedächtnis verliert und damit auch seine Identität. Also genau die Art von seelischen Abgründen, mit denen sich die genannten Herren auf ihre Art beschäftigt haben.

„Listen – of all the things that you are about to lose, this will be the most painful“, eröffnet Frontmann/Songschreiber/Gitarrist/Sänger Kyle Morton das vierte Album seiner vielköpfigen Band. Aufgeteilt in die vier Abschnitte Floodplains, Flood, Reckoning und Afterparty, die den mentalen Phasen des Protagonisten entsprechen, beschreiben die Songs auf fast filmische Weise dessen Angst, Bestürzung, (innere) Klaustrophobie und schließlich Akzeptanz seines Erinnerungsverlustes. Das alles lässt sich natürlich auch als Allegorie auf das gegenwärtige Amerika lesen.

Die begleitende Musik, in der sich Chorsätze, Gitarren, Schlagzeug, Streicher und dosiert eingesetzte Synthesizer aufeinanderschichten, hat oft orchestralen Charakter, faszinierend, trostlos und erlösend zugleich. In seiner Wirkung entspricht „Offerings“ damit dem letzten Album des Manchester Orchestras oder Arcade Fires „Neon Bible“. Dieser expansive, ambitionierte Indierock fordert die Hörer*innen, belohnt sie aber auch mit ungewohnten Klangerlebnissen.

Wie es aber so ist mit Konzeptalben – und als solches muss man „Offerings“ bezeichnen –, sie wirken immer ein wenig altklug und sind in ihrem Heischen nach Anerkennung für die total durchdachte Ausfertigung des ausgeklügelten Plans auch etwas unangenehm. Dennoch muss man Typhoon für ihr konsistentes und aufstrebendes Werk Respekt zollen.

Tracklisting

  1. Wake
  2. Rorschach
  3. Empiricist
  4. Algernon
  5. Unusual
  6. Beachtowel
  7. Remember
  8. Mansion
  9. Coverings
  10. Chiaroscuro
  11. Darker
  12. Bergeron
  13. Ariadne
  14. Sleep

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