Tirzah – Devotion

In Reviews von Eric

„Devotion“ ist ein Album wie ein träger Sonntagvormittag. Beim Hören des Debütalbums der jungen Britin stellt man sich Tirzah vor, wie sie gerade erwacht, sich schläfrig im Bett wälzt und ihr dabei Gedanken zu ihrer aktuellen Beziehung (inklusive Baby) durch den Kopf schießen. Dazwischen ruft sie noch bei ihrer Freundin Mica Levi alias Micachu an, um ein bisschen Ordnung in ihre Gedanken zu bringen.

„Devotion“ ist so der Inbegriff eines Bedroom Recordings geworden, weil man das Schlafzimmer immer zu hören glaubt. Verschleppte, reduzierte Beats und ein paar (E-Piano-)Loops, wenige Synthesizer-Motive, das war es an Instrumentierung. Daneben wirken sogar The xx opulent. Beim Einsatz der E-Gitarre in „Guilty“ erschrickt man dann auch fast.

Dazu (sprech-)singt Tirzah verhuscht, aber nicht schüchtern ihre Lyrics in einem stockenden Fluss. Refrains kommen kaum vor. Langfristige Beziehung und Häuslichkeit sind ihre Themen, was sich angenehm von den üblichen Falling-In-Love-Thematiken der meisten Liebeslieder abhebt. Die 80 bpm von „Holding On“ wirken in diesem Umfeld fast aufwühlend und clubbig. Der Song ist mit seinem klar erkennbaren Chorus auch am nächsten an einer eindeutigen Single dran.

Der extrem minimalistische Alt-R’n’B entwickelt eine fast hypnotische Bezauberung, schwebt aber durch seine ständig präsente Schläfrigkeit in Gefahr, die Hörer*innen wegdösen zu lassen. Obwohl, Tirzah würde das wahrscheinlich sogar verstehen.

Tracklisting

  1. Fine Again
  2. Do You Know
  3. Gladly
  4. Holding On
  5. Affection
  6. Basic Need
  7. Guilty
  8. Devotion (feat. Coby Sey)
  9. Go Now
  10. Say When
  11. Reach

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