The Strokes – The New Abnormal

In Reviews von Eric

The Strokes sind die Rolling Stones des 21. Jahrhunderts. Ihren Platz im Rock’n‘Roll-Olymp haben sie sich schon in den ersten Jahren ihrer Karriere gesichert. Und obwohl nicht (mehr) die besten Freunde, kommen sie immer noch alle paar Jahre zusammen, um eine neue Platte aufzunehmen. Und wie bei den Stones reichen diese (natürlich) nicht an ihre früheren Großtaten heran.

Dabei versucht das Quintett schon, neue Einflüsse aufzunehmen. Hier sind es 80s-Synthesizer, die Frontmann Julian Casablancas schon auf seinen Solowerken gerne einsetzte. Sie vermischen sich auf der LP mit den Strokes-typischen hohen Stakkato-Gitarren und dem dängelnden Bass, geben einigen Stücken aber einen trägen, leichtgewichtigen Anstrich. Das kippt sogar manchmal in Richtung Fahrstuhlmusik, da die New Yorker wenig Hooks zu bieten haben. Und zu lang sind die Lieder teilweise auch noch. Exemplarisch für alles Genannte sei hier „At The Door“ genannt.

Aber es gibt auch gute Songs auf „The New Abnormal“ – nicht nur im Vergleich mit den anderen Albumtracks, sondern auch im Vergleich mit dem gesamten Strokes-Oeuvre. „The Adults Are Talking“ glänzt hell, weil es sich bis zu seiner Klimax durch verschiedenste Gitarrenriffs stetig zu steigern weiß. Die Mischung von New Order und The Cure in den Strophen von „Bad Decisions“ ist zwar offensichtlich, aber in Verbindung mit der wohlgekannten Albert-Hammond-Jr.-Gitarre im Refrain doch sehr wirkungsvoll als lässig klimpernder Jam.

Casablancas Vokaldarbietung auf der Platte ist allerdings über jeden Zweifel erhaben, sie ist die vielseitigste (und beste?) in der Bandgeschichte. Sein Falsettgesang ist nun so selbstbewusst, dass er zu einigen guten Momenten führt (siehe „Eternal Summer“). Den Wechsel von kräftigem Raspeln zu bebendem Schrei meistert er leicht, und das müde-gelangweilte Croonen kann er sowieso. Ein Jammer, dass er dafür keine besseren Songs zur Verfügung hat.

Trotz sieben Jahren zwischen dem letzten Album „Comedown Machine“ und „The New Abnormal“ wirken The Strokes müde, aber auch noch nicht bereit, ganz voneinander zu lassen. So treibt die Band durch Wellenbewegungen musikalischer Qualität.

Tracklisting

  1. The Adults Are Talking
  2. Selfless
  3. Brooklyn Bridge To Chorus
  4. Bad Decisions
  5. Eternal Summer
  6. At The Door
  7. Why Are Sunday’s So Depressing
  8. Not The Same Anymore
  9. Ode To The Mets

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