My Ugly Clementine – Apply Autonomy

In Reviews von Eric

Auf ihrem dritten Album „Apply Autonomy“ zeigen sich My Ugly Clementine rauer und selbstbewusster als bisher. Der Wiener Band gelingt es, ihren charakteristischen schrammeligen Indie-Rock um deutlich mehr Grunge, Alternative-Rock und kantige Gitarren zu erweitern, ohne dabei die eingängigen Melodien und mehrstimmigen Vocals aufzugeben.

Inhaltlich dreht sich die LP um einen Begriff, der komplizierter ist, als er zunächst klingt: Autonomie. Die Songs handeln von Beziehungen, Freundschaften, Trennungen, Selbstzweifeln und dem Bedürfnis nach Nähe – und stellen dabei klar, dass Unabhängigkeit nicht mit Isolation gleichzusetzen ist. Gerade diese Widersprüche machen die Platte interessant.

Songs wie „Don’t Mess With Me“ treten zunächst kämpferisch auf, während „Confidence“ und „Science Fiction“ die verletzliche Seite von Sophie Lindinger, Mira Lu Kovacs und Nastasja Ronck zeigen. Letzterer entwickelt sich von einem zunächst zurückgenommenen Stück zu einem kraftvollen Gitarrensong und steht exemplarisch für die Dynamik des Albums. „Unlawfully Wedded“ wiederum richtet den Blick auf Freundschaft und erweitert damit den klassischen Beziehungsbegriff.

Insgesamt wirkt „Apply Autonomy“ dunkler als frühere Veröffentlichungen. Die Gitarren dürfen stärker knirschen, die Arrangements wiegen stellenweise schwerer, ohne dass das Trio seine melodische Zugänglichkeit verliert. My Ugly Clementine verbinden Selbstbehauptung mit Verletzlichkeit und zeigen, dass Autonomie nicht bedeutet, niemanden zu brauchen – sondern selbst entscheiden zu können, welche Menschen und Beziehungen im eigenen Leben Platz haben.

Tracklisting

  1. Don’t Mess With Me
  2. This Is Nice
  3. Confidence
  4. The Pretender
  5. Head In The Air
  6. You Won
  7. Science Fiction
  8. No Rescue
  9. If You Know You Know
  10. Unlawfully Wedded
  11. Apply Autonomy