Alabama Shakes – I Must Be Dreaming

In Reviews von Eric

Man hat nicht mehr unbedingt mit einem Comeback der Alabama Shakes gerechnet. Elf Jahre nach ihrem Hitalbum „Sound & Color“ ist es doch soweit – und „I Must Be Dreaming“ platzt nicht mit großem Getöse ins Rampenlicht, sondern wirkt eher wie ein vorsichtiges Wiederbetreten veränderter Räume. Die Platte verbindet erneut Südstaaten-Soul, Blues, Rock, Psychedelic und spirituelle Suchbewegung – allerdings gereifter, nachdenklicher und insgesamt ruhiger.

Sängerin Brittany Howard bleibt der Fixpunkt: mal rau, mal zärtlich, mal eruptiv. Ihre beiden Bandkollegen Heath Fogg und Zac Cockrell schaffen dazu mit Gitarre und Bass schimmernde, manchmal geisterhafte Räume, in denen sich die Band hörbar weiterentwickelt, statt nur den eigenen Mythos zu pflegen.

„Tea Time“, „Another Life“ und „Garden“ zeigen die atmosphärische Spannweite des Albums, „How Love’s Supposed To Go“ bringt mehr Funk und Bewegung. Immer wieder steht private Geborgenheit einer rauen Außenwelt gegenüber – Liebe, Nähe und Hoffnung treffen auf politische Erschöpfung und soziale Kälte.

Am deutlichsten wird das in „American Dream“ und „I Feel Hope Coming“. Der Protest bleibt aber eher glimmender Einspruch als wütender Angriff. Gerade diese Zurückhaltung passt aber zum Charakter der Platte: Sie setzt auf Nachhall statt Knalleffekt.

So ist Alabama Shakes ein reifes, warmes Comeback gelungen. „I Must Be Dreaming“ ist nicht durchgehend überwältigend, teilweise zu ruhig, aber stark genug, um zu zeigen: Diese Band kommt nicht zurück, um die Vergangenheit zu verwalten, sondern weil sie in der Gegenwart etwas zu sagen hat.

Tracklisting

  1. Tea Time
  2. Another Life
  3. Garden
  4. I Feel Hope Coming
  5. Time
  6. Friends
  7. Easy
  8. How Love’s Supposed To Go
  9. Waist Deep
  10. American Dream
  11. Tied To You