Kate Tempest – The Book Of Traps And Lessons

In Reviews von Eric

Kate Tempest gilt inzwischen als wichtigste Poetin und Spoken-Word-Künstlerin Großbritanniens, wurde schon für den Mercury Prize und den Brit Award nominiert und scheut auch keine Kontroversen, wie ihre Unterstützung der israelkritischen BDS-Bewegung zeigt. Für ihr neuestes Album „The Book Of Traps And Lessons“ arbeitete sie mit Produzenten-Gott Rick Rubin (u.a. Beastie Boys, Red Hot Chili Peppers, Johnny Cash) zusammen, der angeblich die Fähigkeit besitzt, Musiker*innen zur Essenz ihrer Kunst zu führen.

In Tempests Fall hieß das für Rubin offenbar, auf HipHop-Beats soweit wie möglich zu verzichten und lieber auf eine sakrale Stimmung zu setzen, mit Tempests Stimme in einer Art unheimlichen A Capella im Zentrum. „Er ermutigte mich, nach dem Essenziellen in meinem Vorgehen zu suchen und alles Unwesentliche wegzulassen, um dem Kern der Dinge so nahe wie möglich zu kommen“, erklärt die Londonerin. Das hieß in der Konsequenz zur „Freiheit vom Beat“ zu finden.

Ein paar Beats sind auf Tempests dritter LP dennoch zu finden, aber vor allem Klavier, Synthesizer, Tribal-Drums, Akustikgitarren und Streicher, die alle im Dienste dessen stehen, was die Poetin ausmacht: ihre Texte. Am augenfälligsten wird das in „All Humans Too Late“, in dem es außer dem eckigen, faszinierenden Flow ihres Vortrags nichts zu hören gibt. Darin beklagt sie die zunehmende menschliche Entfremdung voneinander und dass sich die Meisten damit abfinden: „We should be fasting two days out of seven / Sleeping in shifts with the others who share our households / To make sure that, at all times, someone is up with the candle / Instead, we are online venting our outrage.“

Tempest wechselt immer wieder zwischen Makro- und Mikroebene in ihren Texten. „7.2 billion humans, 7.3 billion humans, 7.4 billion humans“, zählt sie in „Keep Moving Don’t Move“, um bald darauf im gleichen Stück wieder zurück in ihrem Südlondoner Kiez zu sein: „The last real pub in the south is surrounded by wankers, and they’re coming in close with their cards out.“ In „Thirsty“ werden esoterische Gedanken über den Himmel zum Bericht über eine unglückliche Liebschaft.

Aber bei allen düsteren Gedanken lässt die Predigerin Kate Tempest alle Teilnehmer*innen ihres Gottesdienstes nicht hoffnungslos zurück. „There is so much peace to be found in people’s faces“, sagt sie im Abschlussstück „People’s Faces“. Gehet hin in Frieden. Amen!

Tracklisting

  1. Thirsty
  2. Keep Moving Don’t Move
  3. Brown Eyed Man
  4. Three Sided Coin
  5. I Trap You
  6. All Humans Too Late
  7. Hold Your Own
  8. Lessons
  9. Firesmoke
  10. Holy Elixir
  11. People’s Faces

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