Goldfrapp – Silver Eye

In Reviews von Eric

Bei Goldfrapp gibt es eine Faustregel: Normalerweise klingt kein Album wie das davor, wenn sich wiederholt wird, dann in größeren Sprüngen. So orientiert sich auch das siebte Album „Silver Eye“ des britischen Duos nicht am folktronischen Vorgänger „Tales Of Us“, sondern am eher cluborientierten Vorvorgänger „Head First“.

Dunkel lässt Will Gregory die Maschinen diesmal pulsieren, und im Hintergrund läuft ein vage synthetischer Industrial-Fluss. Doch unter der kühlen Oberfläche pumpt ein menschliches Herz, das regelmäßig Wärmeströme wie Blut durch die Songs pumpt. Alison Goldfrapp gibt wie immer überlegen die ätherische Femme Fatale, die genauso unschuldig säuseln („Faux Suede Drifter“) wie dominant verführen („Anymore“) kann. Zudem verweist sie in ihren Texten wiederholt auf aktuelle Themen, ohne zu konkret zu werden, „Become the one you know you are“ ruft sie zum Beispiel Transgender-Personen zu. Oder vielleicht auch völlig anderen Personen.

Goldfrapp spielen sich sehr souverän durch die LP. Als Highlights ließe sich „Anymore“ hervorheben, der fiese Zwilling des größten Hits der Band „Ooh La La“, also ziemlich dancy, aber mit einer dunklen Aura versehen, die den Song noch verführerischer macht. Oder „Systemagic“, das auf interessante Weise einige Versatzstücke von Electroclash in einen Hier-und-Jetzt-Popsong rettet. Oder das mit einem Bein schwebende und mit dem anderen Bein stampfende „Moon In Your Mouth“.

Mal sehen, ob Goldfrapp für das nächste Album wieder einen Stilwechsel vollziehen. Schade wäre es, da sich die Beiden gerade in ihren dunklen Synthie-Welten so schön warmgespielt haben.

Tracklisting

  1. Anymore
  2. Systemagic
  3. Tigerman
  4. Become The One
  5. Faux Suede Drifter
  6. Zodiac Black
  7. Beast That Never Was
  8. Everything Is Never Enough
  9. Moon In Your Mouth
  10. Ocean