Faber – I Fucking Love My Life

In Reviews von Eric

Wie schon das Debütalbum von Julian Pollina alias Faber beginnt auch der Nachfolger mit einer instrumentalen Ouverture. Und wie bei „Sei ein Faber im Wind“ wird das, was danach folgt, auch bei „I Fucking Love My Life“ polarisieren. An seine exaltierte Stimme, die mit rauer Note die Texte vorträgt, hat man sich gewöhnt und sie macht auch viel von der Wirkung Fabers aus. Allerdings gehen genau jene Texte wieder an die Schmerzgrenze, sind hart, direkt und vulgär in ihrer Sprache.

Der Schweizer spielt erneut mit verschiedenen Rollen von gesellschaftlichen Außenseitern und widerlichen Typen. Widerkehrender Typus – und das ist in der Wiederholung fragwürdig – sind die sexistischen Männer, die Frauen nur nach dem Äußeren beurteilen und meinen, für Geld alles kaufen zu können. Exemplarisch sei hier „Top“ genannt, das aber auch als Satire durchgehen kann mit seinen Anspielungen auf HipHop-Texte. Und durch diesen doppelten Boden, den Faber einzieht in seine Songs, sind sie nicht nur krass um der Krassheit willen, sondern haben auch eine künstlerische Berechtigung. Bei „Vivaldi“ etwa wird der Sänger Faber selbst von einem notgeilen Stalker verfolgt. Und „Generation YouPorn“ führt der Generation Y beim Wichsen vor dem Spiegel ihre Lebenslügen drastisch vor Augen.

Zentraler Song, wegen dem allein dieses Album schon wichtig ist, ist jedoch „Das Boot ist voll“, das in komprimierter Form die ganze Leugnung, Relativierung und Medienschelte der Rechtspopulisten und ihrer Gefolgschaft aus besorgten Bürger*innen vorführt. Jene, die sich „fremd im eigenen Land fühlen“ und die sich freuen, wenn im Mittelmeer Menschen ertrinken.

Musikalisch gibt es die gekannte und gekonnte Mischung aus französischem Chanson, amerikanischem Populärjazz und bläserbefeuerter Balkan-Polka. Aber es gibt neue Elemente zu entdecken. „Highlight“ etwa leiten dramatische Streicher ein. Bei „Das Leiben sei nur eine Zahl“ und „Komm her“ ist – Premiere bei Faber – ein Synthesizer zu hören. In beiden Stücken kommt auch ein Saxofon vor, das – schöne Reverenz an die 80er – auch ein Solo spielen darf.

„I Fucking Love My Life“ schafft es, Dringlichkeit mit textlicher Polarisierung und musikalischer Eingängigkeit zu verbinden. Faber bleibt einer der relevantesten deutschsprachigen Musiker*innen.

Tracklisting

  1. Ouverture
  2. Highlight
  3. Jung und dumm
  4. Top
  5. Das Leben sei nur eine Zahl
  6. Sag mir wie du heisst (Pt.1)
  7. Sag mir wie du heisst (Pt.2)
  8. Ihr habt meinen Segen
  9. Intermezzo
  10. Das Boot ist voll
  11. Generation YouPorn
  12. Vivaldi
  13. Nie wieder
  14. Coda
  15. Komm her
  16. Heiligabig ich bin bsoffe