Das Paradies – sammlung 1 / pause an der kurve in vektoria

In Reviews von Eric

Wer sich zu Recht in die Songs des Debütalbums von Florian Sievers alias Das Paradies verliebte, in die Leichtigkeit des Indiepop-Sounds und die Schönheit der Sprachbilder, wird von der neuen EP mindestens überrascht, wenn nicht gar irritiert sein. Das hier etwas anders ist, darauf verweist schon der sperrige Titel „sammlung 1 / pause an der kurve in vektoria“. Der Leipziger orientierte sich für die vier Stücke an der Idee der Musique concrète, wonach das gesamte Aufnahmestudio ein einziges Instrument ist. Er singt zudem nicht selbst, sondern hat sich dafür Gäste eingeladen.

In Popkoordinaten übersetzt wurde das Konzept der Musique concrète im Dub, v.a. durch Lee „Scratch“ Perry. Sievers macht daraus eine Art Kraut-Dub, die auch von Can oder Neu! inspiriert ist. Drum-Computer, ein Pocket Piano und ein Mellotron formen „Sine Wave“, das von Loops und Computerspiel-Sounds durchzogen ist. Dazu sprechsingt Keshavara (bekannt von Timid Tiger) einen verklausulierten Text. „Ping Pong“ spielen die drei Gastsänger*innen Albrecht Schrader, Pola X und Toulips, die etwas von Parallelogrammen und Melodien erzählen. Musikalisch trifft hier LoFi-Space-Pop auf ein Saxofon. Am zugänglichsten präsentiert sich „Schiefes Dings“ feat. Jakob Dobers, das mit seinen angenehm blubbernden Synthesizern nachgerade entspannt wirkt. Bei „Ich bewege mich so wenig wie möglich“ berichtet Mira Mann (Candelilla) von den Banalitäten eines Italien-Urlaubs, dazu zirpen und piepen minimalistische, verrutschte Synthies.

Einen gewissen Reiz kann man den sperrigen Tracks mit ihren textlichen Geometrie-Analogien nicht absprechen, aber ehrlich gesagt ist mir Das Paradies von „Goldene Zukunft“ deutlich lieber.

Tracklisting

  1. Sine Wave
  2. Ping Pong
  3. Schiefes Dings
  4. Ich bewege mich so wenig wie möglich

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