Bilderbuch – Vernissage My Heart

In Reviews von Eric

Das Bilderbuch clevere Burschen sind, bewiesen sie im Vorfeld ihres neuen Albums „Vernissage My Heart“ einmal mehr: Auf der Homepage der österreichischen Band konnte sich jede*r einen gefakten EU-Ausweis erstellen – und viele Prominente von Jan Böhmermann bis Katharina Barley machten mit. Politisches Statement abgegeben und gleichzeitig Werbung für die neue Platte gemacht – sauber!

Wo der Vorgänger „Mea Culpa“ aus dem vergangenen Dezember manchmal gefährlich ereignisarm vor sich hindudelte, hat die aktuelle LP wieder deutlich mehr Spannung. Das macht direkt das Eröffnungsstück klar: Dröhnende, heavy Gitarren bestimmen „Kids im Park“, begleitet von tiefen Bässen und rollendem Schlagzeug. Klemens Kranawetter darf das erste von einigen Gitarrensolos hinlegen. Für knapp 30 Sekunden wird der Song dann unvermittelt zum Funk-Track, um dann wieder zurück zu kippen. Die folgenden „Frisbeee“ und „LED go“ sind fast elegant in ihrem Zitat des 70er-Yacht-Rock, wären da nicht die Old School HipHop-Beats. Bei „Frisbeee“ wird dazu der Gitarren-/Basslauf von Lou Reeds „Walk On The Wild Side“ eingebaut, bei „LED go“ ein Sitar-Sample. „Mr. Supercool“ und das Titelstück rekurrieren auf den Funk von Bootsy Collins. Das Herzstück ist aber der Abschlusssong „Europa 22“: Zehn Minuten lang, feiert er die Grenzenlosigkeit und die Möglichkeiten des Kontinents in einer Mischung aus Madchester Rave und R’n’B, der sich ab der Hälfte zum Space Jazz wandelt, um am Ende in einem Piep zu ersterben.

Der Ennui, das leicht müde Zweifeln, ob das denn nun dieses eine Leben sein soll, die auf den vorherigen Bilderbuch-Alben (und insbesondere bei „Mea Culpa“ über die Verirrungen des Digital Life) immer durchschimmerte, übernehmen nun in Maurice Ernsts Texten komplett das Kommando. Sein Talent fürs Sloganizing zeigt der Frontmann hier ein weiteres Mal, Sätze wie „Zuviel süße Luft hat mein Herz vegiftet“, „Mir wird wieder klar, meine Erde ist flach“ oder „Mir wird heiß in der Mitte meines Selbst“ sind so einfach wie gut. Nur die ständigen verzerrenden Effekte auf Ernsts Stimme nerven mit der Zeit etwas. Aber das wichtigste ist bei ihm ja sowieso die Attitüde (wobei er sicher Attitude sagen würde, auf Englisch).

Wo „Mea Culpa“ noch eine neu entdeckte Plüschigkeit zelebrierte, ist „Vernissage My Heart“ um einiges funkier und tanzbarer. Und das steht den Burschen einfach besser.

Tracklisting

  1. Kids Im Park
  2. Frisbeee
  3. LED go
  4. Mr. Supercool
  5. Memory Card 2
  6. Ich Hab Gefühle
  7. Vernissage My Heart
  8. Europa 22

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