William Fitzsimmons – Mission Bell

In Reviews von Eric

Wie von der Plattenfirma als Promo bestellt, begann gleichzeitig mit der Veröffentlichung des neuen Albums des großen Melancholikers William Fitzsimmons schlagartig der Herbst. Zudem steckt hinter seiner siebten LP auch noch eine besonders traurige Geschichte: Während der US-Songwriter zusammen mit einem Freund und Bandkollegen an einem neuen Album arbeitete, eröffnete Fitzsimmons‘ Frau ihm, dass sie ihn nicht mehr liebe und die Ehe beenden wolle. Außerdem hatte sie noch eine Affäre mit eben jenem Freund und Bandkollegen. Alles in allem also ein paar ziemliche Tiefschläge.

Der Bartträger verwarf daraufhin die bisherigen musikalischen Arbeiten und verarbeitete die Geschichte zu „Mission Bell“, „das Resultat der Asche eines gescheiterten Albums und einer gescheiterten Phase meines Lebens“, wie Fitzsimmons selbst sagt. Doch die zehn herzerweichenden Folksongs sind keine Abrechnung, kein Schrei der Verzweiflung – was angesichts der Umstände komplett nachvollziehbar gewesen wäre. Doch neben verständlicher Traurigkeit zeugen die Stücke auch von großer Selbstreflexion und strahlen hin und wieder sogar Lebensfreude aus. Zu Akustikgitarre, Piano und vorsichtiger Bandinstrumentierung sowie mit zwei Gastsängerinnen kündet Fitzsimmons mit seiner sanften Stimme davon, wie man die Zeit mit den Kindern aufteilt („Distant Lovers“) oder dass es einfach Schicksal war, dass es mit seiner Frau nicht geklappt hat („Never Really Mine“).

„Mission Bell“ klingt so schön, sanft und überlegt, dass man William Fitzsimmons einmal schütteln und ihm zurufen will: „Lass es raus, schrei rum, du hast allen Grund dazu!“ Doch er singt nur „We’re better off as friends than distant lovers anyways.“ Er ist einfach ein (zu) guter Kerl.

Tracklisting

  1. Second Hand Smoke
  2. Distant Lovers
  3. 17+Forever
  4. Angela
  5. In The Light
  6. Lovely
  7. Never Really Mine
  8. Leave Her
  9. Wait For Me
  10. Afterlife

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