The Streets – None Of Us Are Getting Out Of This Life Alive

In Reviews von Eric

Er ist wieder da! Überraschend kommt es jedoch nicht mehr, nach Song-Veröffentlichungen und Konzerten, dass Mike Skinner als The Streets – neun Jahre nach seinem Abschiedsalbum „Computers & Blues“ – eine neue Platte herausbringt. „None Of Us Are Getting Out Of This Life Alive“ firmiert als Mixtape und fährt eine illustre Schar an Feature-Gästen auf, die den Einfluss Skinners zeigt, den er auf die (hauptsächlich britische) Musikwelt hatte und hat. In der heutigen Zeit, mit ihren Skeptas und Stormzys, muss man sich vergegenwärtigen, dass als The Streets Anfang der 00er Jahre mit den Alltagsgeschichten über (Ex-)Freundinnen, Drogen, Clubnächte und die „Mates“ auftauchten, ein eindeutig englischer Rapper ungefähr so exotisch war wie ein Ostseeurlaub ohne Regen.

Mit ähnlichen Geschichten würde sich der 41-jährige zweifache Vater heute eher lächerlich machen. Der Proll-Poet von einst berichtet nun aus dem Leben eines mittelalten Mannes zwischen Beziehungen, Hedonismus und der Abhängigkeit von neuer Technologie. Skinner scheint ein Smartphone-Addict zu sein, so häufig kommt es in seinen Lyrics vor. Aber damit wirft er einen so klarsichtigen wie unterhaltsamen Blick auf unsere Gesellschaft: „You call my phone thinking I’m doing nothing better, I’m just waiting for it to stop so I can use it again“, „You’re ignoring me but you’re watching my stories“ oder „Every girl has a dude in her inbox talking to himself“. Die bissigen wie schmissigen Zeilen hat der Engländer immer noch drauf. Aber auch mit ernsten Themen wird sich beschäftigt, wie häusliche Gewalt in „I Wish You Loved You As Much As You Loved Him“.

Musikalisch gehen The Streets nicht den leichten, poppigen „Dry Your Eyes“-Weg. Die Beats sind überraschend rough. Trotz einiger Versatzstücke „von damals“ finden wir uns nicht auf einer Retroveranstaltung wieder, vielmehr klingt alles gut heutig und integriert Sounds von Garage, HipHop, Drum&Bass und Post-Dubstep. Für frischen Wind sorgen zudem die Gäste am Mikrofon, für die Skinner wiederholt aus dem Rampenlicht zurücktritt, von Rap-Newcomerinnen (Ms Banks) über Go-to-Punks (Idles) bis zum Psych-Pop-Doyen Tame Impala.

„None Of Us…“ ist keine reine Streets-Show, sondern eine Revue mit Mike Skinner als Gastgeber und Strippenzieher. Gerade dadurch entgeht er der Nostalgiefalle und schafft ein sehr kurzweiliges Mixtape.

Tracklisting

  1. Call My Phone Thinking I’m Doing Nothing Better (ft. Tame Impala)
  2. None Of Us Are Getting Out Of This Life Alive (ft. Idles)
  3. I Wish You Loved You As Much As You Loved Him (ft. Donae’O & Greentea Peng)
  4. You Can’t Afford Me (ft. Ms Banks)
  5. I Know Something You Did (ft. Jesse James Solomon & ELIZA)
  6. Eskimo Ice (ft. Kasien)
  7. Phone Is Always In My Hand (ft. Dapz on the Map)
  8. The Poison I Take Hoping You Will Suffer (ft. Ragz)
  9. Same Direction (ft. Jimothy Lacoste)
  10. Falling Down (ft. Hak Baker)
  11. Conspiracy Theory Freestyle (ft. Rob Harvey)
  12. Take Me As I Am (ft. Chris Lorenzo)

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