The Drums – Brutalism

In Reviews von Eric

Das Album wird von Musiker*innen nach schwierigen Lebensphasen gerne als Selbsttherapie benutzt – oder es wird ihnen zumindest nachgesagt. So auch bei Jonny Pierce, der The Drums seit der letzten LP als Soloprojekt betreibt. Nach einer schmerzhaften Scheidung lebte er allein in Los Angeles. „Ich war erschöpft, ausgelaugt und habe mich selbst sabotiert, viel gefeiert, aber in Wahrheit lief ich vor dem Schmerz davon. Es war eine Abwärtsspirale“, berichtet Pierce. Nachdem er sich in Behandlung begab, wurde die Arbeit an „Brutalism“ zum Teil seines Heilungsprozesses.

Bei dieser Vorgeschichte wenig überraschend dreht sich das fünfte Drums-Album um kleinere und größere negative Aspekte in Beziehungen, um Angst, Einsamkeit und Selbstzweifel. Die Zeile „I think I regret that night of kissing you“ steht exemplarisch für die von Pierce mit zarter Stimme vorgetragenen Lyrics, in denen er vergangene Beziehungen aufarbeitet. Der typische melancholische Indie-Sound wird um elektronische Elemente angereichert, der den Songs eine glitzernde, tanzbare Note verleiht. So treibt ein Drumcomputer den Opener „Pretty Cloud“ an und ein Breakbeat zieht sich durch „Loner“. „Body Chemistry“ hätten Zoot Woman sicher auch gerne erfunden, während die Ballade „I Wanna Go Back“ an die Beach Boys erinnert. Das Akustikgitarrenstück „Nervous“ überrascht gegen Ende mit seiner Sanftheit.

Jonny Pierce hat zwar die eine oder andere Träne im Augenwinkel, lässt sich aber davon auf „Brutalism“ nicht vom Tanzen abhalten.

Tracklisting

  1. Pretty Cloud
  2. Body Chemistry
  3. 626 Bedford Avenue
  4. Brutalism
  5. Loner
  6. I Wanna Go Back
  7. Kiss It Away
  8. Nervous
  9. Blip Of Joy

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