Tellef Raabe – Idiographic

In Reviews von Eric

Tellef Raabe wuchs in Ålesund auf, einem so malerischen wie idyllischen norwegischen Küstenort. Der erste Eindruck der Musik des Singer/Songwriters scheint diese Idylle und Heimeligkeit zu spiegeln. Erst nach und nach offenbart sich die dunkle Seele der Songs von Raabes Debütalbum „Idiographic“, die auch durch seine reizvolle, faszinierende Stimme transportiert wird. Diese platziert sich ziemlich genau in der Mitte zwischen der quälenden Zweifelpoesie eines Ian Curtis und der eher spielerischen Melancholie eines Erlend Øye.

Raabe hat beim skandinavischen (Indie-)Pop der letzten Jahrzehnte sehr genau hingehört und gibt diesen, angereichert mit Wave-, Shoegaze- und Postpunk-Versatzstücken, in seiner eigenen Form wieder. Das ist kann dann treibend sein, bereichert um Synthesizer und eine The-Cure-Gitarre („Next To You“). Auch die Smiths-Verneigung „Of Smiths Friends“, ist in ihrem musikalischen wie textlichen Zitat charmant. Die besten Stücke gelingen Raabe aber im Duett mit seiner Schwester Sigrid, die einen ebenso einnehmenden Gesang wie ihr Bruder hat. Zum einen die halb euphorische, halb traurige Drugs&Love-Ballade „Flying On The Ground“, zum anderen das auf einer Postpunk-Gitarre basierende „Sister“.

Kritisieren lässt sich an „Idiographic“ neben einer schwächeren zweiten Albumhälfte vor allem, dass sich Raabe nie traut, ganz auf eine Karte zu setzen. Düstere Gitarrenklänge werden mit süßlichen Synthesizern, eine poppige Melodie mit einem harten Basslauf gekontert. So entstehen zwar eingängige und auch leidlich interessante Songs, die aber zu einem gewissen Grad immer unentschieden wirken.

Tracklisting

  1. Next To You
  2. Of Smiths Friends
  3. Flying On The Ground
  4. Sister
  5. Dear Aphrodite
  6. Faye Dunaway
  7. Collide
  8. Just Kids
  9. It’s Stranger Than The Rest

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