Rayland Baxter – Wide Awake

In Reviews von Eric

Rayland Baxter hat für sein neues Album das Ideal des einsamen Songwriters auf die Spitze getrieben: der US-Musiker schloss sich für drei Monate in einer verlassenen Fabrik in Franklin/Kentucky ein, wo er die Fenster verhängte und eine Matratze auf den Boden warf, um mit Gitarre und Klavier die zehn Songs für „Wide Awake“ zu schreiben. Doch die Stücke klingen im Endergebnis überhaupt nicht so eigenbrödlerisch, wie man bei dem Entstehungsprozess vermuten könnte. Vielmehr entwickeln Baxter und seine Band einen satten Sound zwischen Alternative-Country und Indierock. „Casanova“ paart einen dem einprägsamen Riff von „Steady As She Goes“ ähnlichen Gitarrenlauf mit der Hintersinnigkeit der Eels. Auch andere Musikgrößen kann man in den Songs heraushören: „Angeline“ dockt an die psychedelische Phase der Beatles an, „Amelia Baker“ erinnert an die Kinks und das verträumte Fingerpicking von „Without Me“ ist bei Nick Drake abgekuckt.

Was aber „Wide Awake“ vor allem beachtenswert macht, ist die textliche Ebene. Hier bewegt sich Baxter zwischen sehr persönlichen Erlebnissen und sozialer Satire, wenn er seinen Studentenkredit mit einer gierigen Freundin vergleicht („Casanova“) oder wie ein Vertreter die Vorzüge von Pistolen anpreist und damit Waffenfixierung seiner Landsleute lächerlich macht („79 Shiny Revolvers“).

Tracklisting

  1. Strange American Dream
  2. Casanova
  3. Angeline
  4. 79 Shiny Revolvers
  5. Amelia Baker
  6. Without Me
  7. Hey Larocco
  8. Sandra Monica
  9. Everything To Me
  10. Let It All Go, Man

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