Nathaniel Rateliff – And It’s Still Alright

In Reviews von Eric

Nathaniel Rateliffs erstes Soloalbum seit knapp sieben Jahren ist in Abwesenheit seiner Band The Night Sweats weit weg von deren quirligem Soul. „And It’s Still Alright“ ist deutlich ruhiger geraten, was an zwei einschneidenden Erlebnissen während des Entstehungsprozesses lag. Zum einen zerbrach die Ehe des Amerikaners, zum anderen verstarb Richard Swift, sein langjähriger Freund und Produzent. Somit wurde die LP zu einem Verarbeitungsprozess der Trauer und Schmerzen.

Aber Rateliff ist niemand, der komplett aufgibt. „Ich denke, ich will immer einen Hoffnungsschimmer in der Dunkelheit sehen“, sagt er selbst. Wenn er im Eröffnungsstück singt „I left, I left feeling alone. But you can undo it, man“, klingt das noch wie eine vorsichtige Beschwörung. Im abschließenden „Rush On“ ist er schon mehr im Oliver-Kahn-Modus des immer Weitermachens: „Rush on, rush on. If I find you, I will wake you.“

Musikalisch greift Rateliff tief in die Kiste des klassischen Americana-Songwriters, inklusive Steel Guitar. Der zusammen mit Musikern anderer Bands eingespielte Sound ist sehr direkt, geht mal mehr Richtung Country („And It’s Still Alright“, „Tonight #2“) und mal mehr Richtung Blues („All Or Nothing“, „Mavis“). Aber es ist vor allem die steinerweichende Stimme des Mannes aus Denver, die die Hörer*innen gebannt an den Songs hängen und Rateliff bei seiner Trauerarbeit mitleiden lassen.

Tracklisting

  1. What A Drag
  2. And It’s Still Alright
  3. All Or Nothing
  4. Expecting To Lose
  5. Tonight #2
  6. Mavis
  7. You Need Me
  8. Time Stands
  9. Kissing Our Friends
  10. Rush On

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