Muse – Simulation Theory

In Reviews von Eric

Auf ihrem achten Studioalbum entfernen sich Muse von den technologischen Dystopien, Umweltphilosophien und Verschwörungstheorien, die die letzten Veröffentlichungen und insbesondere den Vorgänger „Drones“ dominierten. Auf „Simulation Theory“ verlegt sich das englische Trio auf einen 80ies-Retro-Futurismus – das grelle Artwork von „Stranger Things“-Künstler Kyle Lambert ist hier nur der Anfang.

Der gewohnt megalomanische Muse-Sound wird von Noir-Synthesizer-Klängen, Phil-Collins-Drums und industriekalten Disco-Beats angetrieben. Warum Muse jetzt noch auf den Neon-dunklen 80ies-Zug aufspringen, sieben Jahre nachdem der „Drive“-Soundtrack ihn ins Rollen brachte, ist allerdings eine berechtigte Frage. Vielleicht stellt die Band einfach die Popkultur ihrer Kinderzimmer nach, die bisherigen Musikvideos gehen ebenfalls in diese Richtung.

Eine abschließende Antwort liefert „Simulation Theory“ dennoch nicht, im Spiel mit genannten Versatzstücken gibt es Licht und Schatten. Der Auftakt von „Algorithm“ mit seinen Vangelis-Synthies ließe sich problemlos bei „Blade Runner“ unterbringen, bevor Klavier und Streicher einsetzen und Sänger Matt Bellamy wieder über Simulationen und sich entwickelnde Algorithmen berichtet. Doch eigentlich, eigentlich braucht er etwas ganz anderes: „I need something human“, gesteht er im entsprechenden Song. Seine pessimistischen Katastrophen-Lyrics scheinen diesmal auch Metaphern für scheiternde bzw. ungesunde menschliche Beziehungen zu sein: „I’m the ocean you’re an oil slick, now I am choking on your thought pollution. You make me offers that I can’t refuse, you keep telling pretty lies.“

Am interessantesten wird das Album in jenen Songs, in denen Muse über das Erwartbare hinausgehen. Etwa in der balladesken George-Michael-Annäherung „Something Human“, oder bei Bellamys Prince-Reenactment bei „Propaganda“, das von kurzen Beat-Gewittern und sogar einem Steel-Guitar-Solo unterbrochen wird. Komplett irre, aber mit einem Grinsen. Bei „Pressure“ und „Blockades“ jagt ein Power-Chord den nächsten, um in Queen-Refrains zu kulminieren.

„Simulation Theory“ funktioniert in seinem Retro-Bombast nicht immer schlüssig, kann aber dennoch Spaß bringen – wenn man sich auf Muses Wagner-auf-Synthies-Epik einlässt.

Tracklisting

  1. Algorithm
  2. The Dark Side
  3. Pressure
  4. Propaganda
  5. Break It To Me
  6. Something Human
  7. Thought Contagion
  8. Get Up And Fight
  9. Blockades
  10. Dig Down
  11. The Void