Mitski – Laurel Hell

In Reviews von Eric

„Laurel Hell“ klingt wie die kaputte Version eines perfekten 80s-Popalbums und passt damit musikalisch genau zu dem Rahmen, den sich Mitski Miyawaki für ihre neue LP setzte: keine perfekten Fassaden, sondern echte Ambivalenzen, wo alles seinen Platz und seine Berechtigung hat – Verletzlichkeit und Resilienz, Sorge und Freude, Irrtum und Transzendenz. „I needed to create this space mostly for myself where I sat in that gray area“, erklärt die US-Künstlerin.

Synthesizer in allen Variationen bestimmen den Sound von Mitskis sechstem Album – das macht schon das Eröffnungsstück klar, das von einem Synthie aus der Gruft eingeleitet wird, um dann ab der Hälfte von einem himmelhochjauchzenden abgelöst zu werden. Die Musikerin fast sich insgesamt eher kurz – nur ein Song knackt die dreieinhalb-Minuten-Marke – und gibt sich dabei teilweise auch poppig-dancy (z.B. bei „Stay Soft“ oder „The Only Heartbreaker“). Aber alle Stücke klingen nie zu poliert oder überproduziert, sondern haben Dellen und Schrammen im Sound, es wird auch viel mit Hall gespielt. Am besten scheint Mitski ihre Vorstellung bei „Heat Lightning“ umzusetzen, das hypnotisch wie The Velvet Underground beginnt, um sich dann zu einem sinnlichen R’n’B-Stück zu entwickeln.

„Laurel Hell“ ist in gewisser Weise die Fortsetzung des Vorgängers „Be The Cowboy“, auf dem es um die Ambivalenzen der Liebe ging. Diese Gefühle der Zwiespältigkeit führt Mitski nun universeller fort.

Tracklisting

  1. Valentine, Texas
  2. Working for the Knife
  3. Stay Soft
  4. Everyone
  5. Heat Lightning
  6. The Only Heartbreaker
  7. Love Me More
  8. There’s Nothing Left For You
  9. Should’ve Been Me
  10. I Guess
  11. That’s Our Lamp