Liam Gallagher – Why Me? Why Not.

In Reviews von Eric

Der Split von Oasis jährt sich 2019 zum zehnten Mal. Und während der ehemalige Songschreiber und Gitarrist Noel Gallagher mit jedem Album und jeder EP mehr Experimente wagt, lässt der ehemalige Frontmann und Sänger Liam Gallagher den alten Band-Sound weiterleben. Das war auf seinem Solo-Debüt so, und es ist auch auf dem Nachfolger so.

„Why Me? Why Not.“ heißt die Platte dann auch programmatisch – und es stimmt ja irgendwie: Warum sollte nicht Liam den BritPop seiner besten und erfolgreichsten Zeit, als Ex-Mitglied seiner besten und erfolgreichsten Band, weiterspinnen? Wie schon auf dem Vorgänger arbeitete Liam mit Songwriter Andrew Wyatt von Miike Snow und Produzent Greg Kurstin (Adele, Foo Fighters) zusammen. Und wieder entstand daraus ein Album mit großspurigen Melodien und himmelwärts strebenden Refrains, das die letzten Jahrzehnte britischer Gitarrenmusik auf ihre Essenz destilliert.

Mit „Shockwave“ eröffnet eines der schwächsten Stücke das Album – es klingt wie von einer Oasis-Coverband schlecht bei „Lyla“ geklaut. Ähnlich flotte Songs wie die glamrockigen „Be Still“ und „The River“ sind eindeutig besser. Aber der jüngere Gallagher-Bruder weiß diesmal vor allem in den balladeskeren Stücken zu überzeugen. Das Stone-Roses-meets-The-Verve-Stück „One Of Us“ und das ruhige „Once“, beide mit Streicher-Unterstützung, sind hier vor allem zu nennen. Nicht nur, weil Liams Stimme hier besonders gut klingt, sondern auch wegen der bemerkenswerten Bezüge zu seinem Bruder. „Act like you don’t remember, you said we’d live forever“, heißt es in ersterem, „It was easier to have fun back when we had nothing. […] I remember how you used to shine“ in letzterem.

Beatles-Referenzen gibt es natürlich auch zuhauf, am offensichtlichsten in „Meadow“. Wer aber mit der Lupe sucht, kann auch ein paar für Liam-Parameter ungewöhnlichere Sounds finden – etwa die Americana-Gitarre in „Gone“ oder das direkt von „Let’s Spend The Night Together“ von den Stones importierten Piano in „Halo“. Ansonsten bekommt man von Liam genau das, was man von ihm erwartet – eine gute Portion BritPop-Nostalgie und einige Songs, die sich live gut mit den Oasis-Klassikern vertragen werden.

Tracklisting

  1. Shockwave
  2. One Of Us
  3. Once
  4. Now That I’ve Found You
  5. Halo
  6. Why Me? Why Not.
  7. Be Still
  8. Alright Now
  9. Meadow
  10. The River
  11. Gone

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