LCD Soundsystem – Electric Lady Sessions

In Reviews von Eric

LCD Soundsystem live ist immer eine andere Erfahrung als LCD Soundsystem auf Platte. Während letztere in kompletter Regie von Mastermind James Murphy entstehen, sind erstere eine unberechenbare, interagierende, groovende Dance/Disco/House/New Wave-Band. Vielleicht deshalb sind die „Electric Lady Sessions“ auch bereits das dritte Live-Album der New Yorker – um diese unterschiedliche Erfahrung nachhörbar zu machen.

Entstanden in den namensgebenden, von Jimi Hendrix gegründeten Electric Lady Studios, bestimmen Songs des 2017er Comeback-Albums „American Dream“ die Tracklist, hinzu kommt ein Song von „Sound Of Silver“ und zwei von „This Is Happening“. Die Session zeigt eine Band in sehr guter Form, die hörbar Bock aufs Spielen hat – auch wenn es nur in einer Studioumgebung ist. Für alle, die ein wenig enttäuscht von der letzten LP waren, bietet das aktuelle Album die Möglichkeit, sich neu in die Stücke von „American Dream“ zu verlieben. Die Songs wirken in den Neuaufnahmen strukturierter, weitläufiger und feiner gewebt als im Original. Die Momente, wenn Murphy von benommenem Synthie-Dream-Pop in existenziellen Post-Punk-Modus wechselt, bekommen hier eine viel größere Dringlichkeit.

„Call The Police“ und „Emotional Haircut“ wirken wie von der Leine gelassen, wenn bei ersterem die Gitarre in New-Order-Manier nach vornetritt und die Synthesizer um sie herumschwirren, letzterem tun der Fuzz-Rock-Einschlag und vor allem die fiesen Drums sehr gut, die in einem irren Finale enden. „Tonite“ stellt seine House-Herkunft zu Gunsten von gesteigerter Tanzbarkeit deutlicher heraus. Die olleren Kamellen wie „Get Innocuous“ und „You Wanted A Hit“ sind sowieso sichere Bänke.

Interessant sind aber auch die drei Coverversionen. „Seconds“ von The Human League bleibt zu Beginn noch stark am Original. Der gemütliche Groove von Chics „I Want Your Love” wird mit discoider Hibbeligkeit beschleunigt, und Keyboarderin Nancy Whang übernimmt mit großer Selbstverständlichkeit den Gesang von Murphy. „(We Don’t Need This) Fascist Groove Thang“ von Heaven 17 übernimmt zum Schluss die Atemlosigkeit des Originals, kanalisiert sie aber strenger und lässt Whang als Disco-Queen scheinen.

„Electric Lady Sessions“ betonen zu Gunsten von Groove, Aufregung und Tanzbarkeit LCD Soundsystem als Band, in die sich auch James Murphy, der sonst gerne im Mittelpunkt steht, hörbar gerne einfügt.

Tracklisting

  1. Seconds
  2. American Dream
  3. You Wanted A Hit
  4. Get Innocuous
  5. Call The Police
  6. I Used To
  7. Tonite
  8. Home
  9. I Want Your Love
  10. Emotional Haircut
  11. Oh Baby
  12. (We Don’t Need This) Fascist Groove Thang

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