Laura Gibson – Goners

In Reviews von Eric

Eine Katastrophe wie im Vorfeld ihres letzten Albums „Empire Builder“, als ihre Wohnung in New York und mit ihr alle Songskizzen und Instrumente durch eine Gasexplosion zerstört wurden, blieb Laura Gibson diesmal zum Glück erspart. Dennoch beschäftigt sich die Musikerin auf dem Nachfolgewerk „Goners“ mit einem sehr ernsten Thema. Ihre fünfte LP dreht sich um vergangene und zukünftige Trauer – daher auch der Titel, steht Goner im Englischen doch für zwei Arten von Menschen: diejenigen, die sich in denen verlieren, die sie lieben, und diejenigen, deren Tod unmittelbar bevorsteht.

Viele der Songs auf „Goners“ handeln vom Verlust ihres Vaters, als sie noch ein Teenager war, sowie von der Entscheidung, ob sie selbst irgendwann gerne Mutter sein möchte oder nicht, da Eltern sein auch immer Trauer bedeuten kann. Gibson überträgt diese Gefühle und Vorstellungen in kleine Fabeln, in denen Frauen zu Wölfen werden, Männer sich in Maschinen verwandeln und Geisterkinder im Rückspiegel winken. Die Instrumentierung ist passend zum Thema des Albums getragen, mit Horn-, Holzbläser- und Streicherarrangements, erstarrt aber glücklicherweise nicht im Sakralen, sondern schafft eine zugängliche und berührende Stimmung. Das liegt auch an Gibsons hervorragendem Gitarren-, Wurlitzer- und Klavierspiel, das meist folkig daherkommt wie in „Slow Joke Grin“ und „Performers“ oder auch einmal spanisch geprägt ist wie in „Clemency“. Wenn dann die Rhythmussektion noch herzhaft zugreift wie in „Domestication“ wird es sogar mitreißend. Das berührendste Stück ist allerdings der Album-Closer „I Don’t Want Your Voice To Move Me“, das trotz aller Dunkelheit Hoffnung ausstrahlt.

„Goners“ ist ein songschreiberischer Triumph Laura Gibsons, was die Texte als auch die Arrangements betrifft, intim und ergreifend.

Tracklisting

  1. I Carry Water
  2. Domestication
  3. Slow Joke Grin
  4. Goners
  5. Performers
  6. Clemency
  7. Tenderness
  8. Marjory
  9. Thomas
  10. I Don’t Want Your Voice To Move Me

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