Julia Holter – Aviary

In Reviews von Eric

Durch Julia Holters „Aviary“ flattern die Songs wie Vögel durch die namensgebende Voliere – bunt und wild, wunderschön und bedrohlich. Ihr fünftes Studioalbum bezeichnet die Kalifornierin als Reise durch „die Kakophonie des Verstandes in einer schmelzenden Welt“. Das klingt erst einmal recht abstrakt, macht aber beim Hören der LP durchaus Sinn. Dicht und kompliziert sind die Songs, in denen Synthesizer, Streicher, Percussion, Bass und Bläser (inkl. eines Dudelsacks) zusammenwirken – zusammenspielen würde es nicht treffen, die Instrumente scheinen auch gegen- und nebeneinander zu wirken. Aber Holter lässt sich als Sängerin von allen großflächigen Arrangements nicht überwältigen, sondern beweist sich mit theatralischer Stimme als Zauberlehrling, der die Geister, die sie rief, auch beherrscht.

Dieses 90-minütige Epos ist beladen mit literarischen Verweisen, lateinischen Begriffen und bedeutungsschwangeren Suggestivtexten – und damit meilenweit entfernt vom Vorgänger „Have You In My Wilderness“, der konventionelleren Popstrukturen folgte. „Aviary“ wiederum ist schwer zu erfassen und leicht zu bewundern in seiner schieren avantgardistischen Ambition. Inwieweit es auch in Gänze hörbar ist, hängt stark von der persönlichen Aufgeschlossenheit und ein wenig auch von der Leidensfähigkeit ab.

Tracklisting

  1. Turn The Light On
  2. Whether
  3. Chaitius
  4. Voce Simul
  5. Everyday Is An Emergency
  6. Another Dream
  7. I Shall Love 2
  8. Underneath the Moon
  9. Colligere
  10. In Gardens‘ Muteness
  11. I Would Rather See
  12. Les Jeux To You
  13. Words I Heard
  14. I Shall Love 1
  15. Why Sad Song

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