Ider – Shame

In Reviews von Eric

Megan Markwick und Lily Somerville alias Ider zogen im letzten Jahr nach Berlin, hatten eine wochenlange kreative Hochphase – und steckten sich dann mit dem Coronavirus an. Sie erholten sich und schafften es zurück in ihre Heimatstadt London, doch das in Berlin Geschriebene blieb und bildet letztlich das Fundament, auf dem ihr zweites Album „Shame“ entstand.

Wie schon das Debütalbum „Emotional Education“ dreht sich der Nachfolger textlich um die Unsicherheiten und Probleme ihrer Generation, aber das Leitmotiv lautet diesmal Selbstakzeptanz – sich zu nehmen wie man ist, mit allen Unvollkommenheiten und ohne die titelgebende „Shame“. Dabei reflektieren sie Vorkommnisse aus ihrer Jugend von Essstörungen bis zu Fuckboys („Knocked Up“) genauso wie Fragen nach Herkunft und Heimat in „Midland’s Guilt“ – die beiden stammen ursprünglich aus Nordengland.

Musikalisch bleibt das Duo in seiner Ausdefinierung von Conscious Pop offen, teilweise roh, aber doch klar in seiner Vision von Sound und Umsetzung. Ankerpunkt aller Songs sind die perfekten Gesangsharmonien von Markwick und Somerville, die zusammen besonders eindringlich wirken. Auch alleine verfehlen die glockenklaren Stimmen, die genauso raspeln können, ihre Wirkung jedoch nicht. In zuweilen kräftigen elektronischen Beats meint man, Berlin herauszuhören. Aber Ider inkorporieren verschiedenste Instrumente und Stile in ihren Songs – von Soul-Gitarren über klassisches Klavier und Jazz-Schlagzeug bis zu Synthesizern in unterschiedlichen Ausführungen.

Am Ende steht so ein spannender Popentwurf, für dessen Umsetzung nach eigenen Vorstellungen die Band sogar ihr Label verlassen hat.

Tracklisting

  1. Cross Yourself
  2. CBB To B Sad
  3. Knocked Up
  4. Obsessed
  5. Bored
  6. Waiting 17 03
  7. Embarrassed
  8. Midland’s Guilt