Glass Animals – Dreamland

In Reviews von Eric

Wenn Indierock im 21. Jahrhundert Relevanz haben will, sollte er so klingen wie bei den Glass Animals. Rock wird dabei klein geschrieben und durch eine fließende Offenheit gegenüber anderen Genres von HipHop bis Electronica ersetzt. Die Band aus Oxford hat es trotz dieser Offenheit über zwei LPs geschafft, ihren eigenen Sound zu generieren, der sofort erkennbar ist und sie von allen anderen Combos unterscheidet. Und Album Nummer drei bestätigt diese Regel eindrucksvoll.

Für den charismatischen Frontmann und Songwriter Dave Bayley ist „Dreamland“ ein Schwelgen in Erinnerungen, ein Verarbeiten emotionaler Momente – nicht zuletzt des schweren Motorradunfalls von Schlagzeuger Joe Seaward vor zwei Jahren – als auch eine Reflexion der jetzigen, coronageprägten Zeit. „Wir können gerade nicht rausgehen und neue Erinnerungen schaffen, also stürzen wir uns kopfüber in alte“, erklärt Bayley. Das Album drehe sich auch darum „zu erkennen, dass es in Ordnung ist, keine Antworten zu haben und nicht zu wissen, was man über Dinge denkt. Es ist OK, verletzlich zu sein.“

Verpackt in feine, ausgeklügelte Kompositionen, die zwischen Deepness und Eingängigkeit, zwischen Kontemplation und Tanzbarkeit pendeln, breitet das Quartett ein Kaleidoskop an Sounds aus, die sich in ihrem Detailreichtum erst nach und nach erschließen.
„Dreamland“ eröffnet als schwebendes (ha!) Dreampop-Stück inklusive Synthie-Streichern, bevor bei „Tangerine“ erstmals die Beats beherzt zugreifen dürfen. „Tokyo Drifting“ ist der hiphoppigste Song der Band bis jetzt, mit kräftigen Bläsern und einem Rap-Part von Denzel Curry. „Your Love (Déjà Vu)“ wird, wenn sie denn wiedereröffnen, in seiner coolen Hibbeligkeit die Clubs zum Tanzen bringen, während dich „It’s All So Incredibly Loud“ auf einen psychedelischen Trip in dein Inneres schickt.
Zu alldem singt Bayley in dem ihm eigenen halb gecroonten, halb gesprochen Stil, der einen Gutteil des Wiedererkennungswerts der Glass Animals ausmacht.

„Dreamland“ ist ein unglaublich dichtes, reichhaltiges und berauschendes Album geworden. Aus diesem Traum sollte niemand geweckt werden.

Tracklisting

  1. Dreamland
  2. Tangerine
  3. ((home movie: 1994))
  4. Hot Sugar
  5. ((home movie: btx))
  6. Space Ghost Coast To Coast
  7. Tokyo Drifting (feat. Denzel Curry)
  8. Melon And The Coconut
  9. Your Love (Déjà Vu)
  10. Waterfalls Coming Out Your Mouth
  11. It’s All So Incredibly Loud
  12. ((home movie: rockets))
  13. Domestic Bliss
  14. Heat Waves
  15. ((home movie: shoes on))
  16. Helium

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