Fontaines D.C. – Dopamine Chamber

In Reviews von Eric

„Dopamine Chamber“, das fünfte Album von Fontaines D.C., ist das düstere Gegenstück zum neonfarbenen Vorgänger „Romance“. Und das nicht nur in Bezug auf das Plattencover. Wo vorher verzerrte Gitarren, Nu-Metal-Anleihen und wuchtige Industrial-Sounds waren, sind nun kühle Synthesizerflächen, elektronische Texturen, orchestrale Elemente und Samples zu finden.

„Das Album selbst ist eine Dopaminkammer“, erklärt Frontmann Grian Chatten. „Man tritt hinein, und wir testen an dir all diese unterschiedlichen, bewusstseins- oder stimmungsverändernden Musikstücke.“ Die Stimmung ist dabei pessimistisch bis hoffnungslos, das irische Quintett zeigt vor allem das Abgründige, Hässliche, Verzerrte, Entfremdete – angesichts des Weltgeschehens ein nachvollziehbarer Schritt. Fontaines D.C. präsentieren zwar Auswege, diese bieten aber keine Erlösung: Hedonismus, Fantasien, digitale Reizüberflutung.

Zusammen mit ihrem Hausproduzenten James Ford legt die Band aus Dublin den Fokus auf große Klangbilder. Sie entfernt sich noch weiter vom ursprünglichen, gitarrengetriebenen Post-Punk und bewegt sich in Richtung einer Art cineastischen Dark Pop/Synth-Rock. Chattens Gesang klingt oft weniger nach dem wütenden Post-Punk-Sänger früherer Jahre und mehr nach einem verführerischen, unheimlichen Erzähler.

Die Vorab-Single „Marianne“ erweist sich im Albumkontext als einer der zentralen Songs, der aus einem unerbittlichen, schwankenden Rhythmus zu einem gewaltigen Klanggebilde mit schimmernden Streichern emporsteigt. Mit einem New-Order-Basslauf lädt „Mimesis“ zum Tanzen ein, während die Gitarren bei „Demolition“ doch ausgepackt werden und in Grunge-Manier erklingen. Das ungewöhnlichste Stück ist „Where Is Gone?“, ein Duett mit Rosalía – eine dramatische 60s-Ballade mit Western-Anklängen, eleganten Streichern und einer fast schicksalhaften Atmosphäre, bei der sich die beiden Stimmen umkreisen, als führten sie einen emotionalen Machtkampf. „Intimate“ ist am Ende der passende Abspann mit einem langsamen Versinken in Synthesizerflächen.

Nach dem riesigen Erfolg von „Romance“ war die Entfernung vom Gitarrenklang ein Wagnis für Fontaines D.C., das größtenteils aufgegangen ist, nur stellenweise etwas überladen, unzugänglich und schwerfällig wirkt. Mit Synthesizern und elektronischen Klängen entfaltet die Band nicht ganz ihren vorherigen hypnotischen Sog, sondern führt stattdessen in eine kalt-fiebrige Dystopie.

Tracklisting

  1. Six Shot Morning
  2. Marianne
  3. Mimesis
  4. Happy For You
  5. Demolition
  6. Tongue
  7. One Man
  8. Where Is Gone? (with Rosalía)
  9. You Miss Me
  10. Japan
  11. Intimate