Die Heiterkeit – Was Passiert Ist

In Reviews von Eric

Das Schöne an der Band um Stella Sommer war immer die große Titel-Inhalts-Schere: Es steht Die Heiterkeit drauf, aber drin sind Songs über Einsamkeit, Desillusionierung und Orientierungslosigkeit. Die gibt es auf dem neuen, vierten Album zwar weiterhin, doch vieles wirkt diesmal leichter und glänzender, die Stücke beinhalten trotz ihrer Vereinzelungs-Attitüde auch Trost und Nähe.

Mit „Was Passiert Ist“ ist Die Heiterkeit noch mehr zum Einzelprojekt Sommers geworden – sie schrieb nicht nur alle Texte, sondern arrangierte auch den Großteil der Lieder und spielte viele Instrumente selbst ein. Ob deshalb ihre großartige, sonore Chanson-Stimme in ihrer souveränen Gelassenheit noch mehr strahlt? Jedenfalls bietet der sakrale Sound der LP, der kaum Gitarren aber umso mehr Klavier und Keyboard (und eine Posaune, gespielt von Seeeds Jérôme Bugnon) enthält, dem Gesang die ideale Bühne. Das klingt dann nach den großen Loneliness-Hymnen der Smiths (im Titelsong), dem traurigen Chanson von Edith Piaf („Im Fluss“), dem Goth-Wave von The Cure („Das Wort“) oder dem tänzelnden Kammerpop von The Divine Comedy („Die Linie Im Sand“). Dazu erkundet Sommers lyrisches Ich die Kompliziertheiten des Zwischenmenschlichen und die Sehnsucht nach dem Alleinsein ohne Einsamkeit, elegisch und verspielt zugleich.

„Ich nehme meine Lieder, und ich trage sie ins Dorf“, singt Stella Sommer an einer Stelle nonchalant. Dabei hat sie mit „Was Passiert Ist“ einmal mehr bewiesen, dass sie zu den begabtesten Sängerinnen und Songschreiberinnen des Landes zählt.

Tracklisting

  1. Was Passiert Ist
  2. Im Fluss
  3. Dieses Mädchen
  4. Das Wort
  5. Ich Sehe Dich Am Liebsten
  6. Wie Finden Wir Uns
  7. Die Linie Im Sand
  8. Jeder Tag Ist Ein Kleines Jahrhundert
  9. Ein Alter Traum
  10. Alles Sieht Groß
  11. Aus Die Sterne Am Himmel

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