Chvrches – Love Is Dead

In Reviews von Eric

Mit ihrem dritten Album haben Chvrches den Anspruch auf das Präfix „Indie“, das immer etwas hilflos vor die Genrezuschreibung Elektropop geklebt wurde, um eine gewisse Deepness und Schummrigkeit in ihrem Sound zu beschreiben, endgültig verloren. War schon der Vorgänger „Every Open Eye“ von einer gleichmacherischen Cheesiness durchzogen, hat das schottische Trio diese bei „Love Is Dead“ nun endgültig zum bestimmenden Element erhoben.

Dass die Band zum ersten Mal mit dem externen Produzenten Greg Kurstin zusammenarbeitete, der schon Millionenseller wie Adele und Sia versorgt hat, führt im Ergebnis zu stromlinienförmigem Radiopop. Die Last der Überproduktion, der Spuren über Spuren an Synthesizern, Beats und angesagtem Klimbim, die eher nach Auftragsremix als nach Original-Chvrches klingen, können auch die an sich schönen Melodien von „Get Out“ oder „Never Say Die“ nicht ausgleichen. Besonders negativ hervorzuheben ist der Schlager-Techno von „Graves“. Toll allerdings ist das ruhige „My Enemy“, bei dem Matt Berninger von The National Sängerin Lauren Mayberry als Duettpartner zur Seite steht, und mit Abstrichen das New-Order-ähnliche „God’s Plan“. Schade auch, dass unter der musikalischen Gleichförmigkeit auch Mayberrys Texte untergehen, die ein paar kluge Sachen zu u.a. Gleichgültigkeit und religiös bedingten Vorurteilen zu sagen hat.

Nachdem Chvrches nun die maximal mögliche Eingängigkeit erreicht haben, werden sie für das nächste Album hoffentlich wieder mit mehr Haken und Ösen arbeiten. Denn auf der polierten Oberfläche von „Love Is Dead“ findet sich kaum Halt für die Hörer*innen.

Tracklisting

  1. Graffiti
  2. Get Out
  3. Deliverance
  4. My Enemy
  5. Forever
  6. Never Say Die
  7. Miracle
  8. Graves
  9. Heaven/Hell
  10. God’s Plan
  11. Really Gone
  12. ii
  13. Wonderland

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