Bilderbuch – ∞+1

In Reviews von Eric

Mit ihrem neunten Album „∞+1“ (sprich: unendlich plus eins) bündeln Bilderbuch ihre Stärken zu einer schillernden, zugleich düsteren Popplatte. Funk, Art-Pop, verzerrte Gitarren und digitale Effekte prallen lustvoll aufeinander, während Frontmann Maurice Ernst mit lässigem bis nachlässigem, Autotune-bearbeitetem Sprechgesang durch eine Gegenwart aus Selbstoptimierung, Dauerbeschallung und konstanter Unruhe führt.

Die Produktion ist dicht und voller kleiner Brüche: Kaum hat sich ein Groove festgesetzt, kippt ein Song in eine neue Klangfarbe oder lässt eine schräge Pointe aufblitzen. Gerade diese Beweglichkeit verhindert, dass die demonstrative Coolness der Österreicher zur bloßen Pose erstarrt.

Inhaltlich setzt das Album bewusst auf Schlaglichter statt auf ausgearbeitete, lineare Erzählungen. Konsum, Begehren, digitale Reizüberflutung und die Sehnsucht nach Nähe tauchen in zugespitzten, gleichzeitig uneindeutigen Bildern auf. Die zehn Songs wirken deshalb weniger wie ein geschlossenes Konzept als wie Momentaufnahmen – mal euphorisch, mal bedrohlich, oft mit trockenem Humor.

Nicht jede Idee zündet allerdings gleichermaßen; manche Wendung erscheint bewusst flüchtig, manche Geste etwas selbstverliebt. Doch gerade die stilistische Unberechenbarkeit macht den Reiz aus. „„∞+1“ klingt vertraut und frisch zugleich: ein detailreiches Album, das den Zeitgeist nicht erklärt, sondern ihn funkeln, flackern und schmerzen lässt.

Tracklisting

  1. Finstere Erleuchtung
  2. Was in dieser Welt
  3. Irgendwo
  4. Zahlen als Beweis
  5. Unterwasser
  6. Push Reality
  7. Wahrscheinlich war es der Lippenstift
  8. Baby Junkie
  9. Ist es denn ein Wunder
  10. Mehr als fair