Children

In Interviews von Eric

2014 veröffentlichte das Berliner Newcomer-Trio Children sein Debütalbum „Leaving Home“, das einige schöne Dream-Folk-Pop-Songs bot. Der große Durchbruch blieb der Band jedoch versagt.

Sechs Jahre später sind Children nur noch zu zweit, singen nicht mehr nur auf Englisch, und haben ihren Sound zeitgemäß geupdated. Sind Laura und Steffi also bereit, doch noch „Hype“ zu sein, wie auch ihr neues Album heißt? Die Beiden sehen das im Interview ganz entspannt. Außerdem erzählen sie von den Freiheiten in Berlin, negative Klischees des Deutschsingens und wie ein Kindergartenfoto ihr späteres Schicksal schon erahnen ließ.

Soundmag: Ihr habt ein paar Jahre nichts von euch hören lassen, bis 2018 ein erster neuer Song erschien. Habt ihr euch in dieser Zeit neu erfunden?

Steffi: Auf eine Art ja. Wir haben seit dem Release unseres ersten Albums kontinuierlich immer Musik gemacht, aber irgendwie hat es eine Zeit gedauert, bis wir eine Vision entwickelt hatten, wie es nach dem ersten Album weitergehen soll. Seit 2017 haben wir konkreter wieder im Studio an einer EP gearbeitet, von der wir dann aber erstmal nur einen Song released haben.

Laura: Einer der Songs aus dieser Phase ist auch auf dem Album zu finden. Alle anderen Songs haben wir fast ausschließlich in den letzten zwei Jahren geschrieben. Wir wollten uns weiterentwickeln, das haben wir gespürt, aber es hat diese Zeit gedauert, zu wissen, wohin es gehen soll.

Soundmag: Children sind in dieser Zeit auch zum Duo geschrumpft. Was ist einfacher, was schwerer, seitdem ihr zu zweit seid?

Laura: Ich glaube, es ist zu zweit einfach etwas anderes als zu dritt. Beides hat aber seine Up- & Downsides. Der kreative Prozess hat sich verändert, es ist jetzt eher wie Ping-Pong. Wir ergänzen uns da an vielen Stellen, nicht nur im Kreativen, aber auch im daily business. Und wir sind uns in unserer gemeinsamen Vision sehr einig gewesen.

Steffi: Eine Gruppendynamik verändert sich maßgeblich, wenn in so einer kleinen Formation eine Person nicht mehr dabei ist. Und Veränderung in einer Bandformation, die aus Freundschaft gewachsen ist, ist immer etwas einschneidendes, was auch emotional an einem zerrt. Ganz simpel gibt es natürlich auch eine Person weniger, um mit anzupacken. Das Ping-Pong ist neu. Wir haben unterschiedlichen Stärken, die sich sehr gut ergänzen und eine Art telepathisches Arbeitsverhältnis miteinander.

Soundmag: Ihr kennt euch seit eurer Kindheit in Neustrelitz. Was habt ihr dort zusammen angestellt? Seid ihr auf das Immergut Festival gegangen?

Steffi: Wir haben, wenn man so will, ein recht paralleles Leben gehabt bis jetzt. Es gibt das eine legendäre Foto, auf dem wir im Kindergarten nebeneinander sitzen. In unserer Jugend haben wir beide auch in eigenen Bands gespielt, von denen wir gegenseitig große Fans waren.

Laura: Zum Abi haben wir uns dann angefreundet, am See abgehangen und generell gemeinsam ne richtig gute Zeit gehabt. Auf dem Immergut waren wir auch beide jedes Jahr, aber im Gegensatz zu Steffi, die schon immer ein Indie-Girl war, hab ich in der Zeit ehr Bob Marley und Jethro Tull gehört.

Soundmag: Ihr seid dann nach Berlin gegangen und habt dort Children gegründet. Wie schwer war dieser Schritt? Und hattet ihr von Anfang an einen Plan?

Steffi:Der Schritt nach Berlin zu gehen war überhaupt nicht schwer, ganz im Gegenteil. Wir hatten schon Familie oder Freunde, die hier gewohnt haben. Die kleine und auf eine Art natürlich auch enge Provinz hat uns eher gepushed, denn in Berlin schien alles möglich. Einen Plan gab es nie, wir sind erstmal zum Studieren her. Musik haben wir schon immer gemacht, und so kam es dann 2010, dass wir mit unserem ehemaligen Gitarristen Children gegründet haben. Damit aufzuhören, stand irgendwie nie zur Debatte. Musik als solches gehörte schon seit wir denken können zu unserem Leben.

Soundmag: In euren Texten geht es auch um das Leben als Twenty-Somethings in Berlin. Seht ihr auch als Chronistinnen des Berlin-Lebensgefühls? Gibt es das überhaupt?

Laura: Wenn, dann eher als Chronistinnen eines Gefühls von Veränderungen im Leben und dieser Phase nach dem ersten High Anfang der Twenties und dem Relatiycheck, der irgendwann danach kommt. Ich glaube, das Gefühl ist relativ unabhängig vom Ort.

Steffi:Also das Leben in Berlin ist auf jeden Fall auch normaler als es nach außen hin vielleicht manchmal den Eindruck vermittelt. Aber klar, wir erfüllen sicher auch einige Klischees, die es über Berlin gibt, ganz aus Versehen, und das nehmen wir dann eher mit Humor.

Soundmag: Es ist ja so ein Berlin-Ding, die Stadt nach außen total cool zu finden und nach innen über sie zu schimpfen. Wie haltet ihr das?

Steffi: Berlin ist für uns eine Stadt, die uns viele Freiheiten und Möglichkeiten gegeben hat, die wir in der Kleinstadt aus der wir kommen nicht gehabt hätten. Dafür sind wir dankbar. Rummeckern ist generell nich so unser Ding, wenn uns was nicht mehr gefällt, dann verändern wir das. Gerade ist Berlin immer noch super und mit Children kommen wir ja auch mal raus, das ist eigentlich ne ziemlich schöne Abwechslung.

Laura: Der Mecklenburger hält es ja so: Nicht gemeckert, ist genug gelobt. Das beschreibt unser Verhältnis zu Berlin ganz gut.

Soundmag: Auf eurem neuen Album „Hype“ singt ihr auf Deutsch und Englisch. Wie kam es, dass ihr nun auch auf Deutsch singt?

Steffi: Wir hatten unabhängig voneinander schon deutsche Songs geschrieben, und es war eher so eine Art Neugier. Da deutschsprachige Musik zum Hören tatsächlich gar nicht so unser Ding gewesen ist und für uns auch mit eher negativen Klischees beladen, wir aber gemerkt haben, dass man im Englischen sich doch oft einem gewissen Popvokabular bedient, das irgendwie so generisch ist nach ner Zeit, haben wir es eher spielerisch mal ausprobiert.

Laura: Mit deutschen Texten fällt es uns auf jeden Fall leichter, Humor und mehr Ebenen aufzumachen als im Englischen. Entscheiden wollen wir uns aber gar nicht, wir mögen und hören vor allem englischsprachige Musik und werde sicherlich auch in der Zukunft noch englisch schreiben.

Soundmag: Wie verhindert ihr bei deutschen Texten die „Menschen Leben Tanzen Welt“-Plattitüden?

Laura: Indem wir versuchen die Worte so zu benutzen, wie wir auch miteinander sprechen, und das ist dann ja eher nicht Menschen, Leben, Tanzen, Welt, sondern eher: „ok wow“, oder „kein Plan, viel zu tun“.

Steffi: Inspiration holen wir uns auch von großen deutschsprachigen Künstlern vergangener Zeiten wie Nena, oder Udo oder auch der Lyrik einiger Künstlerinnen/Künstler der DDR, in der unsere Eltern aufgewachsen sind. Auch im deutschen HipHop der 90er/2000er finden sich viele gute Texte, die uns inspirieren.

Soundmag: Musikalisch erinnert mich euer Album an Metronomy oder Roosevelt – also Leute, die ihren Retrofuturismus gekonnt ausspielen. Hattet ihr bestimmte Inspirationen für „Hype“?

Steffi: Erstmal Danke für das Kompliment! Metronomy ist natürlich auch Musik auf unseren Inspo Playlisten gewesen. Wir haben uns sehr viel auf solchen gemeinsamen Playlists ausgetauscht, was wir für Musik gern hören. Französischer Synthpop wie The Do oder Claire Laffut oder der Vibe und die Soundästhetik von Men I Trust haben uns auf jeden Fall beeinflusst. Wir haben im Prozess des Albums aber vor allen Dingen gelernt uns selbst zu vertrauen und die Inspiration auch und noch viel mehr aus uns selbst zu ziehen und im Zweifel einfach bei uns selbst zu bleiben.

Laura: Für die Arbeit am Album haben wir uns nur mit Menschen umgeben, die uns dabei konstruktiv und mit einer positiven Energy unterstützen. Uns war es beispielsweise bei der Produktion wichtig, dass die Leute richtig Bock auf das Projekt und die Musik haben, dafür musste es kein großer Name sein. Musikalisch haben wir einen total breiten Geschmack, und ziehen unsere Einflüsse auch viel aus zeitgemäßer Popmusik, die wir auch selbst machen wollen.

Soundmag: Wärt ihr gerne der nächste, große musikalische Hype?

Steffi: Ja und Nein. Klar, natürlich immer geil, wenn das, wo man selbst viel Zeit, Liebe und Arbeit reingesteckt hat, auch irgendwo ankommt und Leute unsere Musik hören. Denn abseits davon, dass es uns mega Spaß macht gemeinsam Musik zu machen, soll die natürlich im besten Fall auch anderen Menschen etwas geben. Nein, weil Hypes so schnell gehen wie sie kommen. Unser Albumtitel spielt genau mit dieser Ambivalenz.

Laura: Die Tatsache, dass wir schon zehn Jahre als Children Musik machen trägt dazu bei, dass wir eh kein Hype mehr sein können, was aber auch total okay ist. Wir sehen das alles als eine Reise und sind grad einfach nur dankbar und happy, dass wir ein neues Album gemacht haben und rausbringen können.

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