Rachel Chinouriri – I Think I Spoke Too Soon

In Reviews von Eric

Mit ihrem zweiten Album schlägt die britische Singer-Songwriterin Rachel Chinouriri ein neues musikalisches Kapitel auf. Wo ihr Debüt „What A Devastating Turn Of Events“ noch von Indie-Gitarren, melancholischen Melodien und der unmittelbaren Wucht persönlicher Krisen geprägt war, rücken nun glänzende Synthesizer, tanzbare Rhythmen und eine deutlich ausgefeiltere Popproduktion in den Vordergrund.

Doch hinter der schillernden Oberfläche erzählt Chinouriri von einer jungen Frau, die nach außen hin ihr Leben im Griff zu haben scheint, während sie innerlich mit Einsamkeit, Selbstzweifeln, komplizierten Beziehungen und den Folgen ihrer eigenen Entscheidungen ringt. Der Reiz des Albums liegt in diesem Widerspruch. Die Londonerin macht Musik, zu der man tanzen möchte, und verhandelt gleichzeitig Gefühle, die sich kaum abschütteln lassen.

Bereits der Opener „One Song Away From Crying“ steckt den emotionalen Rahmen ab. Der Kontrast zwischen äußerem Erscheinungsbild und innerem Zustand wird zum Leitmotiv der Platte: Man kann gut aussehen, ohne sich deshalb auch gut zu fühlen. Hier zeigt sich aber auch schon die Schwäche des Albums: Nicht jede Entscheidung zugunsten eines polierten Sounds geht auf. Wo Chinouriris Songwriting von Kanten und Brüchen lebt, kann die Produktion mitunter zu poliert wirken. Mit „Favourite Desperation“ und insbesondere „Aaahhh!!!“ findet die Musikerin jedoch zunehmend zu jener klanglichen Balance, die das Album im besten Fall auszeichnet. Hinzu kommt die ironische Distanz – eine Mischung aus Zuneigung, Scham und trockenem Humor –, mit der sie sich selbst betrachtet.

„I Think I Spoke Too Soon“ ist ein Album über die unangenehme Erkenntnis, dass das eigene Leben nicht automatisch besser wird, nur weil man älter, erfolgreicher oder selbstbewusster erscheint. Nicht jeder Song erreicht dabei dieselbe Intensität, und die bisweilen allzu glatte Produktion nimmt einigen Momenten ihre Schärfe. Doch die stärksten Stücke machen deutlich, dass Rachel Chinouriri auch mit ihrer neuen musikalischen Ausrichtung etwas zu erzählen hat.

Tracklisting

  1. One Song Away From Crying
  2. Pretty Girls
  3. Baby Steps
  4. Favourite Desperation
  5. I’m A Star
  6. Aaahhh!!!!
  7. Broken Chair
  8. Shiver
  9. Make Believe
  10. Parasite
  11. The Good Fight
  12. Crash This Car