Tom Misch – Full Circle

In Reviews von Eric

Im Jahr 2022, nach den Erfolgen seines Debütalbums „Geography“ und der Kollaborations-LP mit Yussef Dayes sowie nach ausgedehnten Touren, begann sich die mentale Gesundheit von Sänger/Songwriter/Produzent Tom Misch zu verschlechtern; er machte eine Vollbremsung und zog sich von der Musik (und Social Media) zurück. Zwischendurch arbeitete er als Barista, Gärtner und Surflehrer. Das Soul Searching dieser Zeit führte letztendlich doch zu weiterer Musik – seinem zweiten Album „Full Circle“.

Im Vergleich zu „Geography“ ist die aktuelle Platte weniger von der Produktion her gedacht, sondern verlässt sich mehr auf klassisches Songwriting. Für die Songs setzt der Engländer auf Live-Takes, minimale Bearbeitung und spontane Performances. Die Einflüsse von Disco und HipHop werden zugunsten einer akustischen, analogen Wärme zurückgefahren, Sounds von 70s-West-Coast-Pop, Folk, Blues und Jazz dominieren. Das unangestrengte, zuweilen leicht funky Gitarrenspiel ist angelehnt an Soft-Rocker wie Eric Clapton oder John Mayer.

Die intime Kuscheligkeit von „Full Circle“ spiegelt sich am besten in „Sisters With Me“, in dem Misch die Phase reflektiert, in der er erstmals als Erwachsener wieder mit seinen Schwestern im Elternhaus lebte. Eine Zeit, die zugleich herausfordernd und unerwartet schön war: „My questions remain, they keep me sane ’cause we are the same.“

Ein Album wie eine tropfende Eiswaffel in der Sonne – ein bisschen klebrig, aber schon schön.

Tracklisting

  1. Flowers In Bloom
  2. Red Moon
  3. Slow Tonight
  4. Sisters With Me
  5. Old Man
  6. Running Away
  7. Goldie
  8. Echo From The Flames
  9. Fear Can’t Hurt Any More Than A Dream
  10. Sultans Of Silence
  11. Days Of Us (feat. Kaidi Akinnibi)