Snail Mail – Ricochet

In Reviews von Eric

Während die bisherigen beiden Alben von Lindsey Jordan alias Snail Mail vor allem von emotionalem Liebes-Chaos erzählten, richtet „Ricochet“ den Blick auf existenziellere Themen: auf Zeit, Sterblichkeit, Verletzlichkeit und die Frage, was eigentlich nach dem Tod kommt. „Leid und Elend sind Dinge, bei denen es mir einfach fällt, darüber zu schreiben“, gibt sie unumwunden zu.

Zusammen mit R.E.M.-Produzent Mitch Easter baute Snail Mail aus ihrem Emo-Slacker-Indie einen großen, alternativen Pop-Entwurf, beim dem auch mal Streicher und Bläser zum Einsatz kommen. Die Gitarrenmelodien klingen jetzt weniger nach Schlafzimmer oder Garage, sondern weisen breite Einflüsse auf, von Smashing Pumpkins über Jimmy Eat World und Sunny Day Real Estate bis zu den frühen Radiohead.

Die erste Single „Dead End“ hat trotz ihres optimistischen Rock-Klangs einen nostalgisch-melancholischen Touch, die der Einfachheit der Jugend in den Vororten nachhängt. „My Maker“ ist mit Akustikgitarre und Piano und Streichern softer angelegt, aber nicht weniger melodisch. Die beiden Songs stehen exemplarisch für die beiden Pole, zwischen denen die weiteren Stücke der LP pendeln.

Jordan zog während der Entstehung von „Ricochet“ von New York City ins ländliche North Carolina, legte sich einen Hund zu und beobachtet nachts Sterne. Nicht nur hier, sondern auch in ihrem Sound ist das ehemalige Teenage-Wunderkind erwachsen geworden.

Tracklisting

  1. Tractor Beam
  2. My Maker
  3. Light On Our Feet
  4. Cruise
  5. Agony Freak
  6. Dead End
  7. Butterfly
  8. Nowhere
  9. Hell
  10. Ricochet
  11. Reverie