Markus Nikolaus – The Acid Kids

In Reviews von Eric

Vom Berliner Post-Punk-Duo Lea Porcelain sind mir vor allem eine großartige EP und tolle Open-Air-Konzerte vor der Kulisse des Berliner Funkhauses in Erinnerung geblieben. Sogar in England konnte das Duo Buzz erzeugen, doch nach dem zweiten Album von 2021 habe ich nichts mehr von ihnen gehört. Ist die Band aufgelöst?

Zumindest macht Sänger Markus Nikolaus inzwischen ohne seinen Kompagnon Julien Bracht Musik, wie man auf seiner Solo-Debüt-LP hören kann. Dem dunklen Pfad seiner Combo bleibt Nikolaus weiterhin treu, zeigt sich aber in der Ausgestaltung der klanglichen Details wandelbarer. Nach einem Spoken-Word-Intro, das passenderweise „Bukowski“ betitelt ist, hört man bei „Bicycle Day“ einen einprägsamen Basslauf, der sich zu einem lässig-schattigen Indiepop-Track auswächst – Bombay Bicycle Club für nach dem Sonnenuntergang. Deutlich kantiger zeigt sich „#6“, das technoiden Industrial präsentiert. Gesang gibt es hier nicht, nur Stimmengewirr im Hintergrund.

Das post-punkige „All In Your Head“ ist der erste Song, bei dem die Ähnlichkeit zu Lea Porcelain evident wird. „Hold Me Close“ wirkt wie ein besonders bedröhnter und heruntergepitchter Madchester-Rave-Track. „Gave It All“ besteht nur aus Nikolaus‘ Gesang und einer Akustikgitarre, wird aber mit (zu) viel Hall belegt. „Don’t Fear The Fear“ spielt mit EDM, während „Enjoy The Pain“ zwischen The Cure und Bloc Party pendelt.

Wie man an diesem kurzen Ritt durch die 17 Stücke sieht, springt Markus Nikolaus wild durch Stile und Sounds, gemein ist ihnen nur ein dunkler Grundton und der Hang zum Reverb. Das ist abwechslungsreich, aber auch etwas anstrengend. Aber die ein oder andere Perle lässt sich auf jeden Fall finden.

Tracklisting

  1. Bukowski
  2. Bicycle Day
  3. Invisible
  4. #6
  5. All In Your Head
  6. Piece Of You
  7. Sinner
  8. Hold Me Close
  9. The Other
  10. Rich
  11. Gave It All
  12. No More Highs
  13. Don’t Fear The Fear
  14. Never Let You Go
  15. Enjoy The Pain
  16. Pure Tears
  17. You’re The Only Way