Wanda – Niente

In Reviews von Eric

Im nun schon ein paar Jahre andauernden Hype um den neuen Austropop haben sich Wanda mit schwitzig-verrauchter Sexiness und abgerocktem Schmäh neben Bilderbuch als zweites Zentralorgan etabliert. Doch wie lange zieht der Amore-Rock´n´Roll des Wiener Quintetts noch, bevor er fad wird?

Dass die Band um den kettenrauchenden Marco Michael Wanda durchaus mit Selbstzweifeln kämpft, wie lange das alles noch so weiter geht, zeigt der Opener des dritten Albums „Niente“: „Immer weiter brauche ich mehr und mehr, und immer leichter wird es schwer und schwer, und alles wirft mich aus der Bahn“, singt der Frontmann mit seelisch angeschrammter Verletzlichkeit. Also einfach immer mehr machen, immer mehr nehmen und alles wird gut? Wanda sind dafür zu clever und setzen lieber auf maßvolle musikalische und lyrische Weiterentwicklung.

Marco Michael Wanda tauscht seine kaputte Macho-Poesie mehrfach gegen einen melancholischen Blick zurück, auf verklärte Kindheitserinnerungen: „Traurig schöne Kindheit in 0043“, singt er mit sanfter Stimme in „0043“. Ein paar Plattheiten können Wanda jedoch in ihrer neuen Zartheit nicht umschiffen, Griffe in die Mark-Forster-Schublade wie „Oh je wie schön das wär‘, wenn alles anders wär‘“ oder „Du erinnerst mich daran, dass nix vorbei ist“ sind dabei. Der Sound in den dazugehörigen Stücken wirkt ebenfalls weichgespült. Doch meist reißen sich die Wiener zusammen, sie probieren sich sogar an Italopop à la Adriano Celentano („Lascia Mi Fare“), Varieté-Pianostücken („Ein letztes Wienerlied“), The Cure im Ska-Rhythmus („Columbo“) oder Country („Ich sterbe“). Wanda-typisches Indie-Geschrammel mit Beat-Einflüssen ist mit „Weiter, weiter“, „Einfacher Bua“ und „Cafe Kreisky“ auch vertreten. Dafür sucht man die gewohnte Schnaps-Lyrik diesmal vergeblich.

Auch auf „Niente“ künden Wanda charmant über die Liebe, das Leben und den Tod, haben aber in der neuen Empfindsamkeit und Reflektiertheit etwas die Lässigkeit verloren und leider auch den Mitsing-Hit vergessen. Oder wie Marco Michael Wanda singt: „Förmlichkeit ist das Ende der Kindheit. Und wir waren noch nicht bereit dafür.“

Tracklisting

  1. Weiter, weiter
  2. Columbo
  3. 0043
  4. Lieb sein
  5. Wenn du schlaefst
  6. Schottenring
  7. Lascia mi fare
  8. Das Ende der Kindheit
  9. Cafe Kreisky
  10. Einfacher Bua
  11. Ein letztes Wienerlied
  12. Ich sterbe