Twin Noir – Chapter 3

In Reviews von Martina

Die Alben von Twin Noir heißen Chapter und werden einfach durchnummeriert, somit wird nach „Chapter 2“ der neue Longplayer „Chapter 3“ benannt. Das Cover vom Neuling ist in grieseligen Grautönen gehalten. Düster und verwischt, doch der Inhalt ist dunkelbunt gemischt, teils tiefgründig. Soundtechnisch tanzgeeignet mit powervollem Groove, und die Portion Spaßfaktor darf bei der Berliner Formation ebenfalls nicht fehlen. Das eigentliche Duo Cody Barcelona (Gesang, Gitarre, Elektronik) und Ian Volt (Gesang und Bass) werden im Hintergrund tatkräftig von Lina Avair unterstützt, die den operativen Bereich trägt und kreative Impulse einbringt.

„Luft Für Dich“ eröffnet berechnend das neue Album. Der Song rutscht gleich ins Gehirn, um dort festzustecken. Der musikalische Untergrund wird großzügig aus Post-Punk, Wave und EBM mit Gitarre und Bass geformt. Zum Pushen des Sounds kommt eine Drum-Maschine und kühle elektronische Fragmente hinzu. Die Instrumente stehen immer unter Strom, damit dichte Klangflächen entstehen, die sich explosiv ausdehnen.

Auf „Chapter 3“ wuseln noch mehr dieser Ohrlinge durch die Rillen. Kreative, kurze Texte mit viel Feingefühl bestimmen den Inhalt der Songs. Eine handvoll, oft monoton gesungener Wörter werden detailliert ausgearbeitet, um eine komplette Geschichte zu erzählen, die wie bei „Stimmen“ etwa zum Nachdenken anregt. Das elektronisch flimmernde Intro von „Fliegen“ wird vom typischen Twin-Noir-Gitarrensound durchtrennt. Bei dem entschleunigten „Niemals Nie“ werden die Jungspunde von dem britischen, in Berlin lebenden Musiker, DJ, Labelbetreiber, Schauspieler und Autor Mark Reeder, der kein Unbekannter in der Berliner Subkultur ist, unterstützt.

Kraftvoll und melodisch, formen Synthieklänge die Melodie im Ohrwurm-Bereich bei „Dark Love“. Das einzige Stück auf diesem Album mit komplett englischem Text. Zum Schluss erwacht die „Eule“, um auf die Jagd zu gehen. Geräuschlos macht sie das allerdings nicht, zum schlagenden Takt, mit viel Rhythmus und einer synthetischen Linie, gibt es für den Hörer kein Entrinnen.

Tracklisting

  1. Luft Für Dich
  2. Stimmen
  3. Fliegen
  4. Brille Schwer
  5. Ausfahrt
  6. Niemals Nie
  7. Abriss & Desire
  8. Hinterste Ecke
  9. Dark Love
  10. Eule