Sleepwalker’s Station – House Of Cards

In Reviews von Martina

In diesem Jahr ist vieles ungewollt anders. Anstatt umherzureisen und die Musik live über alle Grenzen in die Welt zu tragen, ist das Folk-Kollektiv Sleepwalker’s Station ebenfalls dazu gezwungen, das Haus zu hüten. Also wird die unfreiwillig geschenkte Zeit kreativ genutzt. Während ganz Andalusien sich im Lockdown befindet, bastelt Daniel del Valle an neuen Songs, die es 2020 sonst wahrscheinlich noch nicht gegeben hätte.

Das kontaktlose Zusammenfügen des Albums erfolgt in einzelnen Schritten. Nach der Vorarbeit in Andalusien wird die Musik nochmals in Spanien, dann Frankreich und Italien von den anderen Bandmitgliedern weiter ausgearbeitet, bevor das 31-minütige Album zum Mischen und Mastern in Berlin vollendet wird.

Die neuen Eindrücke der noch nie erlebten Situation dienen del Valle als Textanregung zum neuen Album. Ohne uns Menschen breitet sich in den Städten eine fast unheimliche Stille aus. Das Leben verschwindet aus den Straßen und gleichzeitig besonnen und unaufdringlich erzählt del Valle, manchmal mit leicht zittriger Stimme, die Geschichten auf „House Of Cards“. Der melancholische Unterton löst sich nur selten auf und begleitet den Titelsong fast unauffällig mit seicht flimmernder Elektronik zur Melodie. Die graue Stimmung verflüchtigt sich mit dem Spiel akustischer Saiten bei der Frage „Where Do We Go From Here?“.

Die Menschen sitzen in ihren eigenen vier Wänden und die besungene Ruhe und Einsamkeit breitet sich im ganzen Land aus. Doch in „Believe“ erzeugt die blusige Mundharmonika einen stimmungsvollen Sound. Bei der Aussage „Ich glaube an die Musik und einer wunderbaren Welt, aber…“ schwebt die Melodie behaglich um die Wörter. Nachdenklich, in sich gekehrt, voller Gefühl vorgetragen, harmonieren die Gitarrenklänge mit der Stimme in „The Great Divide“, bis sich klanglich alles kurzzeitig zusammenbraut und abrupt ineinander fällt.

Die Traurigkeit in der Musik schimmert mit dem Einsetzen klassischer Klänge immer wieder durch. So dass man sich in „Photographs“ so hineinversetzten kann, als würden die Fotografien aus vergangener Zeit direkt vor einem liegen. Die kurzen instrumentalen Musikstücke von „H.o.p.e. Part 1“ und „Part 3“ lassen die Gedanken schnell versinken, um vielleicht seine eigenen Eindrücke von der schwierigen Zeit in ein schön umrandetes Stück Musik zu packen.

Tracklisting

  1. House Of Cards
  2. Where Do We Go From Here?
  3. Deserted Beaches
  4. Pawns in The Game
  5. Believe
  6. The Great Divide
  7. H.o.p.e. Part 1
  8. Photographes
  9. H.o.p.e Part3
  10. Ballad Of The Acobat

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