Sigur Rós – Odin’s Raven Magic

In Reviews von Eric

Vieles am neuen Album der isländischen Post-Rocker Sigur Rós ist alt, teilweise sogar sehr alt. „Odin’s Raven Magic“ ist die musikalische Umsetzung des mittelalterlichen Gedichts „Hrafnagaldr Óðins“, die vom Reykjavik Arts Festival konzipiert und 2002 nur wenige Male aufgeführt wurde. Die jetzt vorliegende LP basiert auf einer Live-Aufnahme der 70-minütigen Partitur aus der Pariser La Grande Halle de la Villette.

Kurz zusammengefasst dreht sich das Gedicht um die Welt am Vorabend einer Katastrophe, an dem die Götter ein letztes Fest feiern. Hier Parallelen zu heute zu ziehen fällt also nicht schwer. Zusammen mit Maria Huld Markan Sigfúsdóttir von der Neo-Klassik-Band Amiina, der isländischen Musiklegende Hilmar Örn Hilmarsson und ihrem wiederkehrenden Kollaboartionspartner Steindór Andersen liefern Sigur Rós ein Werk mit vollem Orchester und einem Chor, das – man könnte es wegen des Inhalts ahnen – sich vornehmlich in Moll-Gefilden bewegt. Es klingt dunkel und dramatisch, wenn die Streicher aufwallen, häufig von Marimbaschlägen begleitet. Der Chor klingt im Vergleicht eher sanft oder erinnert – wenn er mit voller Stimmkraft singt – an einen himmlischen Engelschor.

Affinität zu klassischer Musik und im besten Fall auch noch zum Mittelalter sollte man mitbringen, um „Odin’s Raven Magic“ goutieren zu können. Dann aber wirkt das Album durchaus mystisch-bewegend. Am Beifall des Publikums am Ende lässt die Band jedenfalls auch die heimischen Hörer*innen teilhaben.

Tracklisting

  1. Prologus
  2. Alföður orkar
  3. Dvergmál
  4. Stendur æva
  5. Áss hinn hvíti
  6. Hvert stefnir
  7. Spár eða spakmál
  8. Dagrenning

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