Shame – Songs Of Praise

In Reviews von Eric

Stirbt die Rockmusik nun oder steht sie kurz vor der gloriosen Revitalisierung? Im Moment werden ja beide Ansichten mit viel Überzeugung vertreten. Das Debütalbum von Shame aus Brixton könnte zur Unterstützung beider Thesen herhalten. Denn „Songs Of Praise“ dekliniert zwar nur bekannte Versatzstücke (britischer) Gitarrenmusik der letzten paar Jahrzehnte durch, dies aber vorbildlich und mit viel Chuzpe und noch mehr Energie.

Das Quintett spielt angerauten Post-Punk, mit der Betonung auf Punk. Die Gitarren dürfen nämlich schon mal verzerrt lärmen, und auch Sänger Charlie Steen spuckt seine Zeilen in größerer Lautstärke ins Mikrofon. Steen klingt dabei wie eine Mischung aus Ian Curtis, Tom Verlaine, Johnny Rotten und Jon King, beherrscht also die tiefen, sanfteren Töne genauso wie das Schreien. Und auch die Musik von Shame lehnt sich an den Bands der genannten Herren – also Joy Division, Television, Sex Pistols und Gang Of Four – an. Insgesamt also nichts, was tausende andere Bands nicht auch spielen und eher Argumente für die Rock-Totengräber.

Was aber macht Shame auch zu Beispielgebern für die neue gewonnene Vitalität des Rock? Zum einen nehmen sie sich nicht zu ernst, kokettieren immer wieder mit ihrer DIY- und Amateur-Attitüde und haben auch noch Humor, wie das Cover mit den kleinen Schweinchen beweist. Zum anderen enthalten viele Stücke einen sozialkritischen Kommentar – „Tasteless“ ist etwa eine Anti-Brexiteer-Hymne mit den netten Worten: „I like you better when you’re not around“. Und nicht zuletzt haben Stücke wie „One Rizla“, „Tasteless“ und „Lampoon“ deutliches Hitpotenzial.

Shame werden auf jeden Fall die Hater genauso wie die Lover anziehen.

Tracklisting

  1. Dust On Trial
  2. Concrete
  3. One Rizla
  4. The Lick
  5. Tasteless
  6. Donk
  7. Gold Hole
  8. Friction
  9. Lampoon
  10. Angie

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