Ryan Adams – Prisoner

In Reviews von Eric

Die Qualität der bisherigen 15 Alben von Ryan Adams war ständigen Schwankungen unterworfen. Am besten war er immer, wenn er unter Liebeskummer litt und dies auf Platte bannte – siehe „Love Is Hell“ oder „Heartbreaker“. Ein Glück – zumindest für den Hörer –, dass im Vorfeld seines neuen, 16. Albums „Prisoner“ die Beziehung zu Schauspielerin Mandy Moore in die Brüche ging.

Diese Information wurde im Vorfeld der Veröffentlichung zwar ein wenig zu penetrant verbreitet, aber wenn es dem Songwriting zugutekommt, soll es recht sein. Der US-Amerikaner kleidet seine Stücke im klassisch-epischen Stil eines Bruce Springsteen oder Tom Petty. Obwohl dies natürlich den Hang zum Stadionrock impliziert und Adams sich mit Verve in die Power-Chords und großen Refrains stürzt, schafft er es trotzdem oft (aber nicht immer), ein Gefühl von Intimität zu erhalten – sei es durch die perfekt in Szene gesetzten Akustikgitarren im Titeltrack, in „Haunted House“ und „Broken Anyway“ oder die Laut-Leise-Balance von „Doomsday“ und „Anything I Say To You“. Auch die lyrische Direktheit trägt ihren Teil dazu bei, „I am a prisoner for your love“, „Feels like I’m headed for a breakdown“, „Do you still love me, babe?“ kündet, barmt, leidet Adams in seiner typischen kraftvoll-brechenden Stimme. Wenn’s scheiße geht, geht’s eben scheiße.

„Prisoner“ reicht zwar nicht ganz an die Qualitäten von „Heartbreaker“ und insbesondere „Love Is Hell“ heran, ist aber neben dem „1989“-Coveralbum doch Adams‘ beste Veröffentlichung seit Jahren. Man soll ja niemanden etwas Böses wünschen, aber aus künstlerischer Sicht dürfte der Herzschmerz noch ein wenig anhalten.

Tracklisting

  1. Do You Still Love Me?
  2. Prisoner
  3. Doomsday
  4. Haunted House
  5. Shiver And Shake
  6. To Be Without You
  7. Anything I Say To You Now
  8. Breakdown
  9. Outbound Train
  10. Broken Anyway
  11. Tightrope
  12. We Disappear

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