Róisín Murphy – Róisín Machine

In Reviews von Eric

Die Grande Dame des exzentrischen Elektropop hat wieder ihre Maschine angeworfen. Für ihr neuestes Werk brauchte Róisín Murphy allerdings einen langen Anlauf – an den ersten Tracks von „Róisín Machine“ arbeitete sie mit ihrem Kollaborationspartner DJ Parrot (alias Crooked Man) schon vor zehn Jahren. Das Paar ist ein gutes Match, wie man in heutigen Tinder-Zeiten wohl sagt – die übergroße Pop-Persona einerseits und der minimalistisch-intellektuelle House-Produzent andererseits. Oder wie die Irin die Zusammenarbeit an den Stücken beschreibt: „Wie er es schafft, sie wie die perfekten Club-Tracks klingen zu lassen, obwohl er seit 20 Jahren in keinem Club mehr war, ist erstaunlich.“

Doch ohne Murphys Performance wäre alles nix, besonders ihre berauschend-elegante Stimme klingt – egal in welcher Tonhöhe – noch perfekter als sonst. Eine achteinhalb-minütige Eröffnungsnummer, die nach eineinhalb Minuten überhaupt in die Gänge kommt, kann sich eigentlich auch nur sie erlauben. Aber dann ist „Simulation“ ein ziemlich überzeugender, stampfend-loopender House-Track.

Bei einem Songtitel „Something More“ denken die Murphyaner*innen natürlich gleich an Molokos „Forever More“, und mit etwas Fantasie geht das hiesige Stück wirklich als dessen kleiner Downbeat-Bruder durch. „Incapable“ hängt sich lässig an eine Yacht-Rock-Gitarre, während „Murphy’s Law“ als klassische Disco-Nummer im Studio 54 tanzt, mit etwas Puder an der Nase. Mit „Narcissus“ zeigt sie schließlich, dass Daft Punk eine weibliche Hand nicht schaden könnte.

Hoffentlich hat Róisín Murphy bald wieder die Möglichkeit, ihre Songs in ihren halluzinogen-synästhetischen Live-Extravaganzas aufzuführen. Denn ihre Maschine läuft auf der Bühne am besten.

Tracklisting

  1. Simulation
  2. Kingdom Of Ends
  3. Something More
  4. Shellfish Mademoiselle
  5. Incapable
  6. We Got Together
  7. Murphy’s Law
  8. Game Changer
  9. Jarcissus
  10. Jealousy

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