Poliça – When We Stay Alive

In Reviews von Wolf

Einschneidende Ereignisse bringen Erfahrungen mit sich, die Künstler*innen oft zu neuen, außergewöhnlichen Werken inspirieren. So auch im Fall des neuen Poliça-Albums „When We Stay Alive“, denn die Songs entstanden nach einem Sturz der Sängerin Channy Leaneagh von ihrem vereisten Hausdach, infolgedessen sie praktisch bewegungsunfähig in ein Korsett gezwängt wurde.

Diese Situation spiegelt das Album eindrücklich wieder. Zurückgezogen, gefangen, träumend aber mit dem inneren Druck sich bewegen zu wollen, auszubrechen, frei zu sein. Dabei erinnern Poliça ein bisschen an Kosheen. Jedoch nicht in einer Punkrock-Manier, die dir in die Fresse schlägt und schreit „LOS: TANZ!“ sondern als guter Freund, der dich leicht von hinten Richtung Tanzfläche schiebt.
Getreu der fünf Phasen der Trauer begrüßt uns das Album mit einem leicht verwirrten „Driving“ (Leugnen), zeigt mit dem energetischen „Fold Up“ den Zorn, verhandelt in „Feel Life“ mit sich selbst, führt über die Depression in „Be Again“ bis zur Akzeptanz, wenn uns „Sea Without Blue“ letztlich aus dem Album und in eine vielversprechende Zukunft entlässt. Ein einzigartiger Einblick in Leaneaghs Innerstes und ein Plädoyer, das Leben rückwärts zu verstehen, aber vorwärts zu leben.

Ein klares Argument dafür, eines der demnächst anstehenden Konzerte zu besuchen, auf denen die Stücke erfahrungsgemäß besonders effektvoll umgesetzt werden.

Tracklisting

  1. Driving
  2. TATA
  3. Fold Up
  4. Feel Life
  5. Little Threads
  6. Be Again
  7. Steady
  8. Forget Me Now
  9. Blood Moon
  10. Sea Without Blue

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