Poliça & stargaze – Music For The Long Emergency

In Reviews von Eric

Der Indie-R´n´B von Poliça hatte immer einen Hang zur großen Geste. Es ist also ganz passend, dass sich die Band aus Minneapolis für ein Album mit dem stargaze-Orchester des Berliner Dirigenten André de Ridder zusammengetan hat. Die U-Musik ist de Ridder bzw. stargaze keineswegs fremd, arbeiteten sie doch schon mit Mouse On Mars, Owen Pallett, These New Puritans oder Damon Albarn zusammen.

Das Ergebnis der Zusammenarbeit nennt sich „Music For The Long Emergency“ und will den strengen Synthiepop Poliças mit dem breiten Orchesterklangspektrum vereinen. Zu einer organischen Verbindung wird dies aber nur teilweise. Zwar sind die Songs spannend und auch fordernd, fühlen sich aber noch nicht ganz ausgereift an.

„Fake Like“ führt fast leichtfüßig in die LP, mit einem Sound zwischen Feist und Regina Spektor, der um ein paar zirpende Streicher angereichert wird. Danach werden die Klänge anspruchsvoller im aufwallenden „Marrow“, in dem sich mehrere Schlagzeuge, Streicher, Bläser und Electronica-Elemente gegenseitig antreiben und auch Poliça-Sängerin Channy Leaneagh zu einer intensiven Vocal-Performance anhalten.

Bei „Agree“ dagegen wirken die Orchester-Elemente wie ein reiner Ersatz für Synthesizer und Keyboards ohne einen tatsächlichen Mehrwert. „How This Is Happening“ erinnert an die dunklen Klänge der jüngeren Björk-Alben, mäandert dann aber vor alle in der zweiten Hälfte seiner zehn Minuten Spielzeit länglich vor sich hin. Besser macht es das Schlussstück und gleichzeitige Titeltrack, das seine Spannung vom elegischen Beginn bis zum introspektiven Ende halten kann.

Die Zusammenarbeit von Poliça und stargaze hat seine Reize, scheint aber was das Soundspektrum angeht noch nicht genug ausgereizt.

Tracklisting

  1. Fake Like
  2. Marrow
  3. Speaking Of Ghost
  4. Agree
  5. Cursed
  6. How Is This Happening
  7. Music For The Long Emergency

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