Oehl – Keine Blumen

In Reviews von Eric

Der Wiener Songwriter Ariel Oehl ist in seiner Verbindung aus Kitsch und Poesie, Gefühligkeit und Tiefgang eine singuläre Erscheinung im deutschsprachigen Pop. Darin werden ja (immer noch) meist die grüblerischen, bedeutungsschweren Poeten gefeiert, von Tocotronic bis Isolation Berlin – umso erfrischender war die spielerisch-leichte Melancholie, mit der Oehl auf seinem 2020er Debüt „Über Nacht“ die eigene Empfindsamkeit in Songs übersetzte.

Am Anfang der Nachfolge-LP stand für den Österreicher die Konfrontation mit dem Tod einer geliebten Familienangehörigen, die am Totenbett darum bat, keine Blumen mehr vorbeizubringen – es zahle sich nicht mehr aus. „Das Leben will eigentlich gar nichts, und der Tod noch weniger“, nahm Oehl aus diesem einschneidenden Erlebnis mit, das Quasi-Motto von „Keine Blumen“.

Er gibt auf dem Album den leicht naiven Fragensteller und Weltvermesser; einerseits auf der Suche nach Gründen, um diese kaputte Welt dennoch zu lieben, andererseits sehr zeitgeistig mit Themen wie maskuline Privilegien, Mental Health und Wokeness. Zu letzterem fällt im Song „Schönland“ auch einer der schönsten Sätze der Platte: „Ein paar tausend Gretas sind auf dem Weg, was hilft es nun die Hoffnung zu verlieren?“

Der Ausstieg des Multiinstrumentalisten Hjörtur Hjörleifsson im Vorfeld von Album Nr. 2, der aus dem Duo- ein Soloprojekt machte, ändert den Sound überraschenderweise nicht, auch mit Ariel Oehl als Alleinunterhalter gibt es mellow Electro-Soul zu hören, der zuerst recht zugänglich wirkt, aber bei näherem Hören doch ein paar Widerhaken offenbart, sich aber mit eben diesen im Ohr festsetzt. Und wenn Oehl sogar funky wird wie in „Bis einer weint“, dann tanzt man eben mit Tränen in den Augen.

Tracklisting

  1. Es Tut Mir Leid
  2. Bis Einer Weint
  3. Wie Motten Das Licht
  4. Ruh
  5. Schönland
  6. Kummer, Mond & Sterne
  7. Mängelexemplar
  8. Weitergehen
  9. AB (Demo)
  10. Satt Werden
  11. Vogelhaus
  12. Blau
  13. 5 in 93
  14. Keine Blumen