Mumford & Sons – Delta

In Reviews von Eric

Die Erfolgsformel, die Mumford & Sons auf ihren ersten beiden Alben präsentierten, war sehr erfolgreich, wurde jedoch von manchen als (zu) simpel belächelt. Doch auch, wer mit dem generischen Folk der Band aus Akustikgitarre, Banjo und einer stampfenden Bassdrum nicht viel anzufangen wusste, konnte ihm Eingängigkeit und Effektivität nicht absprechen – siehe „Little Lion Man“. Auf dem letzten Album „Wilder Mind“ stellten die Engländer das Banjo in die Ecke, griffen zur E-Gitarre und spielten amerikanischen Dad-Rock, was weder Kritiker noch Fans überzeugte.

Mit der aktuellen LP „Delta“ kehrt das Londoner Quartett zu seiner ursprünglichen akustischen Instrumentierung zurück, diese wird aber von Super-Produzent Paul Epworth in diverse digitale Effekte getränkt – und teilweise auch ertränkt. Dadurch entsteht ein eklektischer Sound, der alles, was zurzeit halbwegs angesagt ist – bzw. was Epworth dafür hält –, mit den „alten“ Folk-Mumfords verbindet. Das führt zu 14 Songs, die im Ergebnis von unfreiwillig komisch bis überraschend gut reichen.

Zur Fail-Kategorie zählen „Darkness Visible“, das gerne ein alt-J-Stück wäre, die Band aber offensichtlich nicht verstanden hat. Auch „Slip Away“, das ständig am Aufwallen ist, aber den Refrain vergisst, zündet nicht. Bei „The Wild“ klimpert erst lange ein Klavier ziellos herum, um dann in einem Orchester-See unterzugehen.

Aber es gibt zum Glück auch Songs wie „Guiding Light“, das sich im bekannten Mumford-Folk-Terrain bewegt, und dieses nur um ein paar elektronische Tupfer erweitert, was den Klang mehr stärkt als verändert. „Woman“ funktioniert überraschenderweise als R’n’B-Ballade mit Gitarren-Einsprengseln, „Rose Of Sharon“ geht mit seinen Schummer-Beats und Afro-Beat-Andeutungen in eine ähnliche Richtung und hat zudem noch die tolle Maggie Rogers. Auch die Stadion-Ballade „Delta“ als Albumabschluss geht in ihrem Bombast noch klar, weil sie es nicht übertreibt.

Laut Keyboarder Ben Lovett dreht sich das Album um Tod, Depression und Scheidung, was auch den dramatischen Klang der Songs erklärt, die sich meist nach dem Von-leise-zu-laut-Schema aufbauen, gerne mit einem Extra-Crescendo am Ende, das sagt: Das ist jetzt aber echt ernst hier! Frontmann Marcus Mumford intoniert entsprechend die Texte, die gerne religiöse Motive verwenden, mit Gravitas.

Es wäre nicht schwer, sich über das unbedingte Andocken-Wollen von Mumford & Sons an den musikalischen Zeitgeist zu mokieren, dafür wirken manche Songs wie aus Versatzstücken einer beliebten Spotify-Playlist zusammengestöpselt. Dennoch hat „Delta“ auch gute Momente, wenn die Engländer sich weniger auf den Produktions-Klimbim von Paul Epworth konzentrieren, sondern auf ihre Stärken als Folk-Band. Das hat dann zwar immer noch einiges an Theatralik, aber es passt wenigstens zusammen.

Tracklisting

  1. 42
  2. Guiding Light
  3. Woman
  4. Beloved
  5. The Wild
  6. October Skies
  7. Slip Away
  8. Rose Of Sharon
  9. Picture You
  10. Darkness Visible
  11. If I Say
  12. Wild Heart
  13. Forever
  14. Delta

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