Laura Marling – Semper Femina

In Reviews von Eric

Einerseits machen konservative Reaktionäre und Neo-Rechte mit überkommenen Ansichten und sogar Misogynie Stimmung (und sind damit erfolgreich), andererseits wollen sich immer weniger Frauen Ungleichheit und Unterdrückung bieten lassen und gehen dafür auf die Straße. Kein Wunder also, dass sich Künstlerinnen wie Laura Marling in ihrem Werk mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft beschäftigen.

Wie der Titel schon verspricht, sind die Charaktere auf Marlings sechstem Album „Semper Femina“ rein weiblich. Die einzelnen Stücke sind belesene Grübeleien über das, was (und wer) Weiblichkeit ausmacht und definiert. Die Musikerin hat für ihr neues Werk viel recherchiert und gelesen, der Titel ist dem römischen Denker Vergil entlehnt. Dass dabei trotzdem nie der Eindruck einer vertonten Soziologie- oder Gender-Studies-Vorlesung aufkommt, ist die große Stärke der Britin. Sie schafft es, aus ihren komplexen Gedanken Songs werden zu lassen, die sich dem Hörer sofort erschließen.

„Does no one understand you?“, fragt Marling in „Wild Once“. Um dann zu trösten: „You are wild and I won’t forget it.“ Selbstermächtigung und das Brechen von Erwartungen ist ein wiederkehrendes Thema des Albums: „I don’t want to be the kind, struck by fear to run and hide“ („Next Time“). Aber nicht nur mit seinen Texten kann das Album wuchern, auch die Musik ist hervorragend arrangiert, immer abwechslungsreich und mit subtiler Raffinesse versehen. Folk-Songs sind sie nur oberflächlich mit Schichten von ruhigem Gitarren-Picking und Gesangsharmonien. Prog- und Psychedelic-Elemente reichern die Stücke genauso an wie Streichersätze. In „Soothing“ umtänzeln sich zwei Bässe, „The Valley“ leiht sich einen Walzer-Rhythmus, in „Don’t Pass Me By“ tickt eine Drum-Machine.

Marling zeigt als Songwriterin mit „Semper Femina“ so viel Klugheit und Können, dass man als Hörer nur beeindruckt sein kann. Lyrisch berührend und anregend, musikalisch versiert in Wahl und Ziel der Mittel, strotzt Marling vor Kraft und Esprit. Wer braucht da noch Männer?

Tracklisting

  1. Soothing
  2. The Valley
  3. Wild Fire
  4. Don’t Pass By
  5. Always This Way
  6. Wild Once
  7. Next Time
  8. Nouel
  9. Nothing, Not Nearly