Husten – Wohin wir drehen

In Reviews von Eric

Treffen sich einmal im Jahr drei mittelalte Männer, die irgendwas mit Musik machen, und nehmen fünf Songs auf. Dieser Treppenwitz namens Husten funktioniert seit drei Jahren und ebenso vielen EPs anscheinend so gut, dass sich Tobias Friedrich (auch bekannt als Der dünne Mann), Gisbert zu Knyphausen (auch bekannt als der Max Giesinger für Akademiker) und Moses Schneider (auch bekannt als der Mann, der in Deutschland alles produziert, was als mehr (Tocotronic) oder weniger (AnnenMayKantereit) cool gilt/galt) auch 2020 wieder zusammenfanden.

Die neue, vierte EP heißt „Wohin wir drehen“ und zurzeit würde man diese Halbfrage wohl am ehesten mit „ab“ beantworten (Lockdown, you know). Ein bisschen abgedreht eröffnen Husten EP und Titelstück, indem sie ein „Shaft“-Bläsermotiv mutmaßlich von einem Schulorchester nachspielen lassen. „Ich lauf doch…“ lässt Vampire Weekend schief lächeln. „Bad Karma“ erinnert in seiner Retro-Country-Folkigkeit an First Aid Kit, minus deren Grandezza. Wenn schließlich in „Das Lehm“ noch Grammophon-Knistern erst mit einer Trompete, dann mit James-Bond-Streichern und dann mit einer ausgeleierten Gitarre verbunden werden, fragt man sich schon, was das Ganze eigentlich soll.

Dazu gibt sich der singende Knyphausen in den Texten oft vage schlecht gelaunt bzw. genervt von sich und der Welt, aber am ehesten glaubt man ihm, wenn er im Titelstück Autotune-verzerrt singt: „Wir können nichts als Liebe.“ Die kuriert ja angeblich auch alles.

Tracklisting

  1. Wohin wir drehen
  2. Ich lauf doch schon so schnell ich kann
  3. Bad Karma Boy
  4. Ab ins Ungewiss
  5. Das Lehm

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