Fever Ray – Radical Romantics

In Reviews von Eric

Auf ihrem neuen Album als Fever Ray will Karin Dreijer nicht weniger, als dem Mythos der Liebe nachspüren. Dafür suchte sie nach den titelgebenden „Radical Romantics“ in der Musiksammlung der Eltern und in den Texten von Autor*innen, die sagten, was sie dachten. Am Ende platzierte Dreijer die LP zwischen Tanzfläche und Schlafzimmer, zwischen Hirn und Vagina (bei Fever Ray geht es immer auch um Sex).

Ihr fordernder Avantgarde-Pop ist nicht unbedingt das, was man dem Zielmenschen für das Liebesgeständnis vorspielen würde. Dennoch ist Fever Rays klirrender, flirrender Elektro-Sound höchst faszinierend. Neben Bruder Olof, mit dem sie früher The Knife bildete, fungierten u.a. auch Trent Reznor und Atticus Ross, die für ihre intensive Filmmusik („The Social Network“) bekannt sind, als Co-Produzenten.

Bei der dritten LP hat man sich an Fever Rays unverwechselbaren Stil gewöhnt, man schrickt nicht mehr auf, wenn es metallisch klirrt oder Synthesizer an ihre klanglichen Grenzen getrieben werden. Überraschen kann sie trotzdem noch, mit karibisch anmutenden Steel-Drums („Kandy“) oder einer von einem Grunge-Geist gespielten Gitarre („Even It Out“). Dazu singt Dreijer in ihrer ganz speziellen Singstimme zwischen weinerlichem Kind, antiker Sirene und getretener Katze.

Es ist ein wenig suspekt: da man Fever Rays eigentümlichen Sound inzwischen kennt, findet man zwar schneller in das Album hinein, ist aber nicht so verhext wie ehedem. Nichtsdestotrotz ist „Radical Romantics“ ein würdiger Neuzugang in Karin Dreijers Diskografie.

Tracklisting

  1. What They Call Us
  2. Shiver
  3. New Utensils
  4. Kandy
  5. Even It Out
  6. Looking For A Ghost
  7. Carbon Dioxide
  8. North
  9. Tapping Fingers
  10. Bottom Of The Ocean