Editors – EBM

In Reviews von Eric

Nanu, die Editors machen jetzt auf DAF und spielen Electronic Body Music (EBM)? Nicht ganz, dennoch ist das siebte Album der Engländer davon nicht weit entfernt und somit ihr bisher ungewöhnlichstes: schroffe Industrial-Klänge treffen auf bekannt großflächige Synthesizer. Die Anspielung im Titel ist also gewollt, steht aber zuvorderst für ein Akronym aus Editors und Blanck Mass (alias Benjamin John Power) – der Komponist und Produzent wurde für die Platte zum festen Bandmitglied und hatte maßgeblichen Einfluss auf den neuen Sound.

Flotte Indie-Rock-Songs à la „Munich“ sucht man auf „EBM“ vergeblich, dafür gibt es unerbittliche, oszillierende und fiebrige Stücke, die Editors selbst verorten in den Tracks eine „emotional physicality“. Das ist ziemlich treffend, denn es gibt wilde, in die Magengrube zielende Klänge genauso zu hören wie – seltener – zarte, emotionsgeladene Momente.

„Heart Attack“ zu Beginn spielt diese Körperlichkeit aus und zieht direkt auf eine finstere, in Nebel und Stroboskoplicht gehüllte Tanzfläche. Das hittige „Karma Climb“, ein New-Order-Song auf Speed, lässt einen dortbleiben. Auch „Strawberry Leomonade“ geht in eine ähnliche Richtung, tanzt aber auf einer vibrierenden elektronischen Basslinie. Das abschließende „Strange Intimacy“ setzt das kühnste Statement der LP in seiner Verbindung aus Depeche Mode, George FitzGerald und den Pet Shop Boys, garniert mit einem Piano-Motiv.

Frontmann Tom Smith leitet gewohnt souverän mit seinem prägnanten Bariton-Gesang durch die Stücke, die dazu einladen, sich in den dunklen Sounds zu verlieren – Smith fängt dieses Gefühl mit den Zeilen „The way I feel just can’t be described“ sehr gut ein.

Respekt, dass sich die Editors mit diesem Album noch einmal kreativ selbst herausgefordert haben. Und umso schöner, dass es im Endeffekt so gut aufgeht.

Tracklisting

  1. Heart Attack
  2. Picturesque
  3. Karma Climb
  4. Kiss
  5. Silence
  6. Strawberry Lemonade
  7. Vibe
  8. Educate
  9. Strange Intimacy