Doves – The Universal Want

In Reviews von Eric

Dass es doch noch etwas werden könnte mit einem neuen Album der Doves erhielt durch ihren ersten Auftritt nach einem Jahrzehnt in der Royal Albert Hall im März 2019 berechtigte Hoffnung. Was damals niemand wusste: Jimi Goodwin sowie die Brüder Andy und Jez Williams hatten sich schon zwei Jahre früher getroffen und an ersten neuen Songs gearbeitet. Das lief so gut, dass nun, elf Jahre nach der letzten LP, tatsächlich „The Universal Want“ auf dem Tisch (bzw. in der Streaming-Playlist) liegt.

Angesichts der langen Pause des Trios, dessen Mitglieder inzwischen alle die 50 geknackt haben, hat die Platte einen bemerkenswerten, nahtlosen Flow und ist doch abwechslungsreich. Im Opener wirft Frontmann Goodwin – wie es Männer seines Alters öfter tun – einen melancholischen Blick zurück auf die Zeit seiner Kindheit, wenn er verkündet: „I’m gonna take you down, back to the old fairgrounds.“ Überhaupt reflektieren die Texte viele Lebensumstände von Menschen im mittleren Alter, von Goodwin mit der angemessenen Patina auf der Stimme vorgetragen. Wo ist die Jugend hin, wie halte ich eine Beziehung aufrecht, wieso sterben die Leute jetzt schon? Letzteres vor allem in „Cathedrals Of Mind“, das sich (angeblich) um David Bowie dreht.

Musikalisch bieten Doves einerseits den bekannten Mix aus angekratzten Gitarren, komplexen Drum-Sounds und geträufelten Synthie-Klängen. Dies aber in immer neuen Konstellationen und unter sich ändernden Bedingungen. „Broken Eyes“ featuret schöne 00er-Indie-Gitarren, „For Tomorrow“ suhlt sich mit seiner verhallten Gitarre in 70s-Psychedelia.
Kurz vor Ende nähern sich die Doves dann ihren Anfängen als Dance-Trio Sub Sub an: „Mother Silverlake“ schließt mit einem House-Piano. Der Titeltrack schlängelt sich von einem ruhigen Anfang zu einem „Sympathy For The Devil“-Stampfen zu einem Hacienda-Groove. „Forest House“ ist dann als Abschluss mit Akustikgitarre ganz Kontemplation, zweimal Tanzen muss mit über 50 auch reichen.

Die Herren aus Manchester verlassen sich für ihr Comeback-Album auf ihre Stärken, in die sie weitere interessante Sounds einfließen lassen. „The Universal Want“ ist hoffentlich der Auftakt zu einem zweiten Doves-Frühling.

Tracklisting

  1. Carousels
  2. I Will Not Hide
  3. Broken Eyes
  4. For Tomorrow
  5. Cathedrals Of The Mind
  6. Prisoners
  7. Cycle Of Hurt
  8. Mother Silverlake
  9. Universal Want
  10. Forest House

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