Krief + Madison Violet – 20.11.19

In Konzerte von Marcus

Fotos: Marcus

An einem kalten Herbstmittwoch geht es in den Südbahnhof nach Krefeld. Eine schöne kleine Eventfläche erwartet mich. Vor der Bühne sind ein paar Stuhlreihen aufgebaut. Ca. 100 Plätze, dahinter drei Stehtische. Alles wirkt sehr gemütlich. Direkt neben dem Eingang ist ein Merch-Stand. Dort werde ich von Patrick Krief begrüßt – ein kanadischer Singer/Songwriter, der früher als Gitarrist für The Dears aktiv war. Er ist ein sehr sympatischer Mensch, der kurz danach im Backstage verschwindet, um sich für seinen Auftritt fertigzumachen. Er steht an diesem Abend als Erster auf der Bühne im Südbahnhof. Als Gastmusiker „teilt“ er sich mit den später auftretenden Madison Violet den Musiker Jakub Zapotoczny. Er begleitet den musikalischen Part beider Bands des Abends aus dem Hintergrund am Keyboard, mit dem Bass oder mit der Gitarre.

Pünktlich um 20 Uhr geht es los, Krief erfreut die ca. 100 Zuschauer mit seiner Musik, auch von seinem aktuellen Album „Dovetale“. Direkt zu Anfang stellt er fest, dass seine Instrumente kalt sind. Das fühlt sich heimisch an, stammt Krief doch aus Montreal. Seine Lieder und Texte versetzen das Publikum immer wieder in einen tranceartigen Zustand. Die Musik hat eine Leichtigkeit, seine Stimme harmoniert mit den Melodien. Zwischendurch kommen amüsante Anekdoten, die für eine lockere Stimmung im Publikum sorgen. Es wäre zum Beispiel schön, wenn bei dem ein und anderen Stück ein Schlagzeuger anwesend sei, meint er. Krief fragt daraufhin das Publikum, ob jemand kurzfristig einspringen könnte. Aber dafür müsste er auch ein Schlagzeug dabeihaben. So bleibt es bei einem quasi Unplugged-Abend mit leichten elektronischen Einflüssen. 30 Minuten später verabschiedet sich Krief und wird von den Zuhörer*innen gebührend verabschiedet.

Schon zehn Minuten später kommen Madison Violet auf die Bühne. Die beiden Damen haben hier schon einen gewissen Bekanntheitsgrad, obwohl sie das erste Mal in Krefeld zu Gast sind. Auch die beiden werden von Gastmusiker Jakub Zapotoczny unterstützt. Brenley MacEachern und Lisa MacIsaac lernten sich über die gemeinsame Band Zoebliss kennen und arbeiten seit der Auflösung der Band weiterhin zusammen. Zunächst unter dem Namen Madviolet und später dann als Madison Violet machen sie Folk. Für ihre Deutschland-Tour haben sie sich extra individuelle T-Shirts drucken lassen. Darauf sind in Englisch und Deutsch ein paar Textfragmente um den Namen der Band verfasst.

Es ist eine Freude, die beiden live erleben zu dürfen. Madison Violet bieten ein enormes musikalisches Können auf, gepaart mit einer sympathischen Ausstrahlung und einer locker-lustigen Art. Sie begeistern das Publikum und mich gleichermaßen. Zwischendurch gibt es immer wieder lustige Geschichten von beiden – wie schwierig es zum Beispiel ist, mit einer Großfamilie zu feiern. Denn beide haben durch die Eltern und Großeltern enorm viel Verwandtschaft. Brenley amüsiert sich darüber, dass sie fast die Mundharmonika falsch herum in der Halterung befestigt: „Meine Augen sind halt auch nicht mehr die Besten. Aber das wäre was geworden, wenn ich es erst mitten im Lied festgestellt hätte.“ Beide freuen sich enorm, durch Deutschland zu touren, hier werde man immer so freundlich empfangen und das Publikum sei auch so herzlich. Auch spricht Brenley immer wieder Sätze auf Deutsch. Nur Schweizerdeutsch, da würde es ihr vor grauen. Das sei doch keine Sprache.

Nach anderthalb Stunden ist das eigentliche Programm beendet. Aber was wäre ein toller Auftritt ohne Zugabe. Dafür kommt Patrick Krief mit auf die Bühne. Zusammen mit Madison Violet verlässt er die Bühne und sie bitten das Publikum, einen kleinen Halbkreis in der kleinen Eingangshalle zu bilden. Hier gibt es noch zwei Zugaben, wovon die letzte das Cover „99 Luftballons“ ist. Voller Begeisterung über den tollen Abend geht es dann am Merchstand vorbei in die kalte Herbstnacht.

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